Springe zum Hauptinhalt der Seite

Bundeszentrum Weidetiere & Wolf

Herdenschutzhunde

Einsatz von Herdenschutzhunden

Neben wolfsabweisenden Zäunen kommen auch Herdenschutzhunde zum Einsatz in der Weidehaltung. Diese Hunde leben in der Herde und arbeiten weitestgehend selbständig, sie verbellen alle potenziellen Gefahren. Der Umgang mit Herdenschutzhunden will gelernt sein. Ob deren Einsatz im Betrieb möglich und sinnvoll ist, ist am besten vor der Anschaffung in einer Beratung abzuklären.

Schützen und Hüten

Hunde werden als Arbeitstiere und Assistenten in vielen Berufszweigen und Lebenssituationen eingesetzt. In der Weidetierhaltung, insbesondere der Schafhaltung, sind Herdengebrauchshunde für verschiedene Arbeiten an Nutztierherden unverzichtbar. Als Begleit- und Arbeitstiere von Schäferinnen und Schäfern halten Treibhunde zum Beispiel die Herde in Bewegung, um sie von einem Ort zu einem anderen zu treiben. Hütehunde halten Herden zusammen, treiben Tiere zur Gruppe zurück oder separieren einzelne Tiere auf Kommando. Herdenschutzhunde vertreiben und verbellen eigenständig alles, was sich der Herde unerlaubt nähert. Das können Beutegreifer wie der Wolf sein, aber auch wildernde Hunde, Wildschweine, anderes Wild oder fremde Personen.

Herdenschutzhunde sind nicht auf eine Klientel spezialisiert: sie können zum Bewachen von Schafen und Ziegen genauso gut eingesetzt werden wie auch für den Schutz von Hausrindern und sogar Geflügel. Die Nutzung von Herdenschutzhunden hat in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Genaue Zahlen liegen derzeit nicht vor.

Besondere Merkmale von Herdenschutzhunden

Im Unterschied zu Hüte- und anderen Herdengebrauchshunden arbeitet ein Herdenschutzhund weitestgehend eigenständig ohne Anweisungen einer Bezugsperson. Sie entscheiden selbst, wie sie den Schutz „ihrer Herde“ gewährleisten, zumal sie sich meist unbeaufsichtigt in der Herde befinden. Sie sollen ein ausgeprägtes Schutzverhalten zeigen und als imposante, reaktionsschnell abwehrende Schutzhunde auftreten. Gleichzeitig sollen sie genügend Vorsicht zeigen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.

Grundvoraussetzung für den Einsatz eines Herdenschutzhundes: Seine Bezugsperson muss den Hund problemlos handhaben können. Darüber hinaus darf er auf andere Menschen nicht übertrieben aggressiv reagieren.

Für den Herdenschutz geboren

Eine für den Einsatz im Herdenschutz gezüchtete Hunderasse der entsprechenden Arbeitslinie bringt idealerweise die genetische Veranlagung zum Herdenschutz mit, das heißt, der Hund verfügt über die notwendigen Voraussetzungen,

  • sich ohne Zwang von außen verlässlich an eine Herde zu binden,
  • die Motivation zum Abwehren in Abhängigkeit der zu schützenden Herde zu entwickeln,
  • in einem Hunderudel (es werden immer mehrere Herdenschutzhunde eingesetzt) sowohl gut zusammen zu arbeiten und Rangkämpfe gut auszuhalten.

Umfrage: Ihre Meinung ist uns wichtig!

Liebe Leserinnen und Leser,
wir möchten praxis-agrar.de zukünftig noch besser auf Ihre Informationsbedürfnisse zuschneiden. Wir freuen uns, wenn Sie an unserer kurzen Umfrage teilnehmen. Die Bearbeitung der Umfrage dauert etwa 2 Minuten.

Zur Umfrage

Herdenschutzhunde wachsen in ihre Aufgabe

Mit der richtigen Ausbildung wird das gewünschte Verhalten von Herdenschutzhunden mit entsprechender genetischer Veranlagung gefördert. Dabei sollen Herdenschutzhunde eine tiefe Beziehung zu ihrer Herde und ihren Schützlingen aufbauen. Gleichzeitig sollen sie lernen, ihre Bezugsperson zu akzeptieren und zu respektieren.

Herdenschutzhunde wachsen in der Regel gemeinsam mit der Herde auf und sind in direktem Kontakt zu ihren späteren Schützlingen. Das schafft bereits zu einem frühen Zeitpunkt Vertrautheit, ist allerdings kein trivialer Prozess und braucht Begleitung durch den Bezugsmenschen. Auch die Herde muss sich erst an die Anwesenheit von Herdenschutzhunden gewöhnen. Dabei werden pro Herde mindestens zwei Hunde eingesetzt, um den sozialen Bedürfnissen der Hunde gerecht zu werden.

Die Ausbildung von Herdenschutzhunden ist für ihre Beziehungs- und Arbeitsfähigkeit wichtig, denn sie arbeiten ständig in einem komplexen Beziehungsgefüge zwischen Weidetierherden, Bezugspersonen, Hunderudel und ihrer Umwelt. Sie müssen in der Lage sein, Gefahrensituationen einzuschätzen und angemessen, aber nicht übertrieben aggressiv zu reagieren.

Die folgende Auswahl an Rassen kommt unter anderem in Deutschland im Herdenschutz zum Einsatz:

  • Kangal-Hirtenhund,
  • Kuvasz,
  • Maremmen-Abruzzen Schäferhund,
  • Kaukasischer Schäferhund – Ovtcharka,
  • Pyrenäen-Berghund,
  • Jugoslawischer Hirtenhund – Sarplaninac,
  • Bosnisch-herzegowinischer – kroatischer Schäferhund – Tornjak

Einsatzmöglichkeiten und-grenzen

Der Einsatz von Herdenschutzhunden stellt eine Maßnahme zum Herdenschutz dar, die sich vor allem in Kombination mit wolfsabweisenden Zäunen in der Praxis bewährt hat. Jedoch muss die Anschaffung von Herdenschutzhunden gut überlegt sein, unerheblich ob bereits Erfahrung mit Herdengebrauchshunden vorhanden ist oder nicht.

Der tägliche Umgang mit Herdenschutzhunden ist anspruchsvoll. Und einmal angeschafft, bleiben Herdenschutzhunde bestenfalls über lange Jahre im Betrieb und benötigen neben Futter, Tierarzt und Medikamenten, auch Zusprache ihrer Bezugsmenschen und tägliche Kontrolle. Auch wenn Herdenschutzhunde eigenständig arbeiten, sie bedeuten eine besondere Verantwortung an ihre Halterinnen und Halter. Dabei ist zu bedenken, dass die Hunde nicht nur zur Betriebsleitung passen müssen, sondern ebenso zum Betrieb und in den Betriebsablauf.

Darüber hinaus spielen finanzielle Überlegungen eine Rolle. Laut einer Studie (KTBL (2018) sind für die Anschaffung beziehungsweise für die Aufzucht eines einsatzfähigen Arbeitshundes durchschnittlich 3.000 Euro zu veranschlagen. Beim Unterhalt entstehen zusätzliche Kosten für Versicherung, Zubehör, Hundefutter, Tierarzt, Lohnkosten für die Betreuung des Hundes, Maschinenkosten für z. B. einen Transporter oder Hundeanhänger sowie Kosten für eine Hundehütte.

Konflikte können in beziehungsweise mit der Nachbarschaft entstehen: Liegen die Weideflächen beispielsweise in der Nähe oder innerhalb von Ortschaften, können Anwohnerinnen und Anwohner sich vor allem nachts durch das Bellen der Hunde belästigt fühlen. Das gleiche gilt für Flächen, die sich in unmittelbarer Nähe von Wanderwegen befinden und wo das Abwehrverhalten der Hunde bei Spaziergängerinnen und Spaziergängern zu Irritationen führen kann.

Herdenschutzberatung in den Bundesländern

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 20.07.2022