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Bundeszentrum Weidetiere & Wolf

Herdenschutzzäune

Wolfsabweisende Zäune

Die am häufigsten angewendete Herdenschutzmaßnahme ist die Errichtung eines Zauns. In der Regel zäunen Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter ihre Weideflächen auch ohne Wolfspräsenz, um Weidetiere sicher auf einer Weide zu halten. Zäune so zu bauen, dass sie auch dem Schutz vor Wölfen dienen, liegt daher nahe. Dabei kommen zu den Anforderungen, die ein Zaun erfüllen muss um Weidetiere sicher zu hüten, also noch weitere Anforderungen hinzu um vor dem Eindringen eines Wolfes zu schützen.

Praktikerinnen und Praktiker wissen, dass kein Zaun absoluten Schutz bietet, weder vor Ausbruch noch vor Einbruch. Jedoch stellen Zäune als Herdenschutzmaßnahme eine wirksame Barriere dar und verringern die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass Wölfe Weidetiere reißen. Daher ist, wenn von Herdenschutzzäunen gesprochen wird, der Begriff „wolfsabweisend“ und nicht „wolfssicher“ treffend und wird im Folgenden verwendet.

Inhalt:

Wie gelangt ein Wolf in eine umzäunte Weide?

Wölfe können unterschiedliche Möglichkeiten nutzen, um in eine umzäunte Weide zu gelangen. Dabei nimmt der Wolf den aus seiner Sicht einfachsten Weg. Welcher das für jedes Einzeltier ist, hängt von der Erfahrung des Wolfes und maßgeblich von der Gestaltung des Zauns ab. Der Blick darauf, wie sich Wölfe Zugang zu umzäunten Weiden verschaffen, gibt Aufschluss darüber, wie ein wolfsabweisender Zaun idealerweise gestaltet sein sollte.

Sogenanntes Durchschlüpfen

Kann ein Wolf durch Lücken im Zaun oder zu große Abstände zwischen Holzbrettern oder Litzen hindurchgehen, ohne dabei Schmerzen zu haben, ist dies die für ihn die einfachste Methode in eine Weide zu gelangen. Zäune, die dafür gebaut sind, das Ausbrechen von Weidetieren zu verhindern, bieten oft wenig Hindernis vor diesem sogenannten Durchschlupf. Die Abstände der Holzbalken beziehungsweise Stromleiter sind meist zu groß, als dass ein Wolf nicht durchpassen würde. Hütesichere Zäune bieten demnach in der Regel keinen Schutz als wolfsabweisende Zäunung

Wölfe untergraben ein Hindernis

Verhindert die Bauart des Zaunes, dass der Wolf durch den Zaun hindurch auf die Weide gelangen kann, wird ein Wolf möglichweise aufgeben oder aber nach einer Schwachstelle im Zaun suchen und/oder beginnen, sich unter dem Zaun hindurch zu graben. Mit den Pfoten Boden wegzuscharren um Vertiefungen oder Höhlen zu graben ist ein gängiges Verhalten bei Wölfen. Je nach Untergrund ist es für Wölfe – wie auch für Hunde – ein Einfaches, in kurzer Zeit tiefe Löcher zu graben. Verhaltensuntersuchungen an Gehegewölfen ergaben, dass Zaunhindernisse verschiedener Bauart und Höhe meistens untergraben anstatt übersprungen wurden um an Futter zu gelangen. Auch Dokumentationen von Übergriffen im Freiland belegen sehr häufig diese Untergrabeversuche.

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Über den Zaun

Auch wenn es für einen Wolf nicht den einfachsten Weg darstellt, gibt es prinzipiell mehrere Möglichkeiten, wie ein Wolf über einen Zaun hinweg auf eine Weide gelangen kann Dazu zählen Klettern und Springen in verschiedenen Varianten. Obwohl Wölfe körperlich im Stande sind zu klettern und zu springen, wenden sie diese Techniken bei der Überwindung von Weidezäunen nicht spontan an. Einzelne Individuen lernen jedoch diese Techniken anzuwenden. Sogenannte Einsprunghilfen können diesen Lernprozess fördern. So kann beispielsweise ein Holzstapel neben dem Zaun einem Wolf den Einsprung von einer erhöhten Position aus ermöglichen. Neben sogenannten Einsprunghilfen gibt es weitere Möglichkeiten, wie einzelne Wölfe lernen können Zäune über den Zaun hinweg zu überwinden.

Unterschiedliche Barriere-Wirkungen von Zäunen

Ein Zaun, der eine Barriere für einen Wolf darstellen und somit wolfsabweisend sein soll, muss verhindern, dass

  • ein Wolf durch den Zaun durchgehen oder sich hindurchzwängen kann
  • ein Wolf sich darunter hindurch oder über den Zaun hinweg Zugang zur Weide verschafften kann

Dabei kann die Barriere-Wirkung eines Zaunes entweder auf einer mechanischen Barriere beruhen oder auf der abschreckenden Wirkung schmerzhafter elektrischer Schläge.

Für das mechanische Verhindern des Eindringens muss das Material so stabil und engmaschig sein, dass ein Wolf nicht hindurchpasst. Mechanisch wirkende Festzäune werden auch als Stabilzäune bezeichnet. Der Kontakt mit einem Stabilzaun ist bei Berührung in der Regel schmerzlos. Es besteht die Gefahr, dass einzelne Wölfe bei wiederholtem Kontakt mit Stabilzäunen lernen, diese zu überwinden. Solche Zäune können mit der Pfote oder der Schnauze manipuliert werden, so dass Abstände zwischen Zaunmaschen vergrößert werden und dadurch Lücken entstehen. Auch ein Überklettern von Stabilzäunen ist grundsätzlich möglich.

Ein elektrischer Zaun gibt dem berührenden Tier über einen elektrischen Impuls einen sogenannten elektrischen Schlag. Jeder Mensch, der schon selbst an einen Elektrozaun gekommen ist, hat die Erfahrung gemacht, dass sich der Schlag unangenehm anfühlt und erschreckend wirkt. Je „mehr Strom fließt“, desto schmerzhafter ist der Schlag. So soll erreicht werden, dass das erneute Berühren des Zaunes vermieden wird.

Selbst einen Menschen kostet es Überwindung einen einmal als erschreckend oder schmerzhaft empfundenen Elektrozaun nochmals zu berühren. Besonders wenn es darum geht ihn gezielt längerfristig zu berühren bis ein mehrmaliger Schlag erfolgt ist. Dazu trägt auch bei, dass sich die Berührung nicht jedes Mal gleich anfühlt. Ein Zaun, der sich gestern noch bei gleicher Einstellung des Weidezaungerätes erträglich anfühlte, kann bei Tau oder barfuß im nassen Gras sehr schmerzhaft sein.

Es ist bekannt, dass dieselben Mechanismen bei Mensch und Tier wirken. Erschrecken, Schmerz, Zurückweichen bis hin zur Flucht, teilweise dauerhafte Vermeidung dessen, was vermeintlich den Schmerz verursacht oder Vermeidung des Ortes, an dem es geschmerzt hat. Während Menschen den Schmerz direkt mit dem Zaun in Verbindung bringen können, ist das bei Tieren nicht unbedingt der Fall. Diese können eine diffuse Angst vor dem Ort entwickeln oder den Schmerz mit anderen Dingen verknüpfen wie zum Bespiel mit einem Auto, das zufällig vorbeifährt. Wichtig ist, dass die Wirkung des Zaunes dadurch nicht beeinträchtigt wird. Selbst wenn das Tier bei diesem Mal eine falsche Verbindung knüpft und es den Zaun daraufhin nicht vermeidet, wird es bei einem erneuten Zaunkontakt wieder einen Stromschlag bekommen. Dabei wird es sich erneut erschrecken, Schmerz empfinden, zurückweichen und den Zaunkontakt unterbrechen.

Weidezäune allgemein – unabhängig von Wolfspräsenz

Unterschiedliche Zauntypen

Zäune werden, je nach der Möglichkeit sie wiederholt auf- und abbauen zu können, als Festzäune oder Mobilzäune bezeichnet. Ein Festzaun wird einmalig aufgebaut und bleibt danach dauerhaft an diesem Platz aufgebaut stehen. Ein Festzaun kann dabei als rein mechanisch wirkender Stabilzaun gebaut sein oder als Elektro-Festzaun.

Mobile Zaunsysteme können einfach und schnell auf- und abgebaut werden. Sie können regelmäßig wiederverwendet und abwechselnd auf verschiedenen Weideflächen genutzt werden. Im Vergleich zu Stabilzäunen haben Mobilzäune einen geringeren Materialbedarf. Mobile Zäune sind praktisch immer als Elektrozäune gebaut, da sie nicht ausreichend stabil sind um einen mechanischen Ausbruchschutz der Weidetiere gewährleisten zu können.

Möglich ist auch verschiedene Zauntypen und Barrierewirkungen zu kombinieren. Eine typische Kombination von verschiedenen Barrierewirkungen ist die zusätzliche Anbringung eines Stromleiters an der Innenseite eines mechanisch wirkenden Festzaunes bei Pferden oder Schafen, was den Zaun vor dem Beknabbern oder Schubbern der Tiere schützen soll.

Die Kombination von Materialien des Fest- und Mobilzaunbaus kann gerade beim Bau eines Elektrozaunes in schwierigen Lagen, wie beispielsweise bei schwierigem Untergrund oder an Wasserläufen, hilfreich sein. So kann beispielsweise die Verwendung von Elektronetzen gewährleistet werden, wenn die Stabilität mit stabilen dauerhaften Eck- und einzelnen Zwischenpfosten erhöht wird. Eine Kombination von mobilen Pfosten, mit zusätzlichen stabilen dauerhaften Eck- und einzelnen Zwischenpfosten, kann an Flussläufen mit Hochwassergefahr sinnvoll sein. Dadurch kann ein stabiler Zaun gebaut werden, dessen Mobilpfosten und Leitermaterial je nach Bedarf ab- und wieder aufgebaut werden können.

Anforderungen an hütesichere Weidezäune

Ein Risiko der Weidetierhaltung sind mögliche Tierausbrüche. Daher sollen Weidezäune möglichst ausbruchsicher, also hütesicher sein. Aber nicht nur das, sie sollen auch verletzungssicher, sichtbar für Weide- und Wildtiere, stabil, langlebig und möglichst kostengünstig sein. Natur- und Umweltschutz sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

So wie es keinen absolut einbruchsicheren Zaun gibt, gibt es keinen absolut ausbruchsicheren Zaun. Weidetiere in Panik können aus jeder eingezäunten Fläche ausbrechen. Entstehen beim Ausbrechen von Weidetieren Schäden, sind Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter haftbar. Davon ausgenommen sind landwirtschaftlich tätige Weidetierhaltende, die allerdings nachweisen müssen, dass sie bei der Beaufsichtigung der Tiere ihrer erforderlichen Sorgfaltspflicht nachgekommen sind. Dazu zählt ein Zaun, der entsprechend der Tierart und der Nutzungsrichtung ausgerichtet ist. Weiterhin muss das Gefährdungspotenzial der Umgebung wie Straßen und Bahnstrecken berücksichtigt werden. Die Zäune (besonders Elektrozäune) müssen täglich kontrolliert und die Ergebnisse dokumentiert werden.

Für jede Tierart gibt es für die Hütesicherheit unterschiedliche Ansprüche an den Zaun beispielsweise was die Höhe der Zäune, die Anzahl und die Abstände der elektrischen Leiter angeht. Auch die Nutzungsrichtung ist von Bedeutung, so muss ein Zaun für Mutterkühe oder Bullen stabiler sein als ein Zaun für Milchkühe. Die genauen Anforderungen können nachgelesen werden in der Broschüre 1132 „Sichere Weidezäune‟.

Bäche, Wassergräben und andere Wasserflächen eignen sich nicht als Weidebegrenzung. Denn sie können von den Weidetieren (besonders in Panik) und von Wildtieren überwunden werden. So sind beispielswese Wildschweine und Wölfe gute Schwimmer und scheuen vor dem Queren von Wasserflächen oder auch von matschigem Untergrund wie Moor nicht zurück.

Für den Bau eines Festzaunes (Stabilzaun oder Elektro-Festzaun) an einem Gewässer oder einem Deich sind in den Bundesländern unterschiedliche wasserwirtschaftliche und gewässerschutzrechtliche Regelungen zu beachten. Die Gründe sind, dass die „Wasserbewirtschaftung“ wie zum Beispiel das Freischneiden des Uferbereiches gewährleistet sein muss. Ebenso darf der Abfluss des Wassers auch bei Hochwasserlagen nicht beeinträchtigt werden. In Brandenburg beispielsweise bedarf der Bau eines Festzaunes einer Genehmigung, wenn er innerhalb von 5 Metern neben einem Gewässer gebaut werden soll. Bei Bundeswasserstrassen beträgt dieser Abstand 10 Meter. Wird ein Zaun ohne Genehmigung gebaut, hat in diesem Fall die zuständige Behörde das Recht den Rückbau des Zaunes zu verlangen. Es ist in allen Bundesländern empfehlenswert sich bereits in der Planungsphase bei den zuständigen Stellen (wie zum Beispiel dem Wasser- und Bodenverband, der unteren Wasserbehörde, dem Deichverband) über Vorgaben zu erkundigen und Rücksprache zu halten. Besonders wichtig sind Absprachen und spezielle Vorkehrungen, wenn Zäune über Gräben hinweg führen sollen.

Soll ein Festzaun neu errichtet werden, stellt sich die Frage nach einer notwendigen Baugenehmigung. Generell gelten die folgenden Grundsätze. Da es jedoch regionale Unterschiede und Ausnahmen gib, ist es ist es ratsam sich in jeden Fall vorher über eine mögliche Baugenehmigungspflicht zu erkundigen. Für Zäune innerhalb von Ortschaften sind in der Regel keine Baugenehmigungen notwendig. Im Außenbereich brauchen landwirtschaftliche Tierhalter keine Genehmigung, wenn der Zaun nicht fest mit dem Untergrund verbunden ist wie beispielsweise durch Betonpfähle oder Fundamente. Hobbyhalter brauchen für einen Festzaun im Außenbereich immer eine Baugenehmigung.

 

Was macht Zäune wolfsabweisend?

Die Anforderungen an wolfsabweisende Zäune sind nicht leicht umzusetzen. Die lokalen Gegebenheiten sind ebenso wie die bestehenden Betriebsabläufe und die finanziellen und arbeitszeitlichen Ressourcen miteinzubeziehen. Die Bundesländer unterstützen Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter beim präventiven Herdenschutz indem sie Förderprogramme anbieten. Deren Ausgestaltung ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, so sind auch die Anforderungen an wolfsabweisende Zäune nicht überall gleich und situationsbedingt. Eine Herdenschutzberatung ist in jedem Falle vor dem Beginn eines Zaunbauvorhabens zu empfehlen – ganz gleich, ob es sich dabei um einen Neubau oder eine Nachrüstung handelt.

Herdenschutzberatung in den Bundesländern

Gesamte Weidefläche zäunen

Die wichtigste Maßnahme um die Wirkung eines wolfsabweisenden Zauns zu gewährleisten ist, dass alle Seiten der Weidefläche gleich gut mit einem wolfsabweisenden Zaun geschützt sind. Bäche, Wassergräben und andere Wasserflächen eignen sich nicht als Weidebegrenzung. Wölfe sind gute Schwimmer und scheuen vor dem Queren von Wasserflächen nicht zurück. Ebenso wenig hält sie sumpfiger, mooriger oder matschiger Untergrund vom Eindringen in Weiden ab, was beim Zaunbau entsprechend zu berücksichtigen ist. Ebenso gilt: auch wenn Weideflächen nah an Dorf, Hof oder Garten gelegen sind und Weidetiere dadurch geschützt erscheinen mögen, nur die Installation eines wolfsabweisenden Zauns auf allen Seiten der Weidefläche hat eine wolfsabweisende Wirkung.

Schwachstellen im Zaunsystem vermeiden

Ähnlich wie Wölfe das schwächste Tier in einer Herde ausfindig machen, suchen sie auch einen Zaun nach der der schwächsten Stelle ab. Daher müssen auch die Zauntore wolfsabweisend ausgerüstet sein. Ebenso sind Schwachstellen an Gräben und Senken durch angepasste Zaunführung und technische Lösungen zu vermeiden.

Durchschlüpfen verhindern

Das sogenannte Durchschlüpfen kann prinzipiell durch einen rein mechanisch wirkenden Stabilzaun oder durch einen Elektrozaun, als Festzaun oder Mobilzaun, verhindert werden. Für das mechanische Verhindern des Eindringens muss das Material so stabil und engmaschig sein, dass ein Wolf nicht hindurchpasst, wie zum Beispiel bei den Feldern eines stabilen Knotengeflechts mit nicht-verschiebbaren Knoten. Handelt es sich beispielsweise um einen Holzlattenzaun wird ein Abstand von maximal 20 Zentimetern zwischen vertikalen oder horizontalen Latten empfohlen. Ist das Material biegbar, sind die Abstände entsprechend kleiner zu gestalten. (Diese Abstände sind Empfehlungen. Sie stellen keine hundertprozentige Sicherheit dar, dass ein Wolf in einer Extremsituation sich nicht doch hindurchquetschen könnte.). Der Kontakt mit einem rein mechanisch wirkenden Zaun ist bei Berührung in der Regel schmerzlos. Da jedoch die Gefahr besteht, dass einzelne Wölfe bei wiederholtem Kontakt mit diesen Zäunen lernen sie zu überklettern oder mit Pfote oder Schnauze zu manipulieren. Es ist daher sinnvoll, mechanisch wirkende Stabilzäune mit einem Überkletterschutz auszurüsten.

Um bei elektrischen Zäunen einen Schutz vor dem direkten Eindringen durch den Zaun zu gewährleisten sollten die untersten drei Stromleiter maximal einen Abstand von 20 Zentimetern zueinander und zum Boden aufweisen. Die Abstände der Stromleiter darüber können auch etwas größer sein, maximal bis zu 30 Zentimeter.

Untergrabeschutz

Das Eingraben des Zaunes, die Befestigung einer Zaunschürze und die Anbringung elektrischer Leiter im Bodenbereich haben sich als Untergrabeschutz bewährt. Lediglich Stabilzäune, deren Hütewirkung rein mechanisch ist, werden mit Untergrabeschutz ausgerüstet. Dieser soll verhindern, dass ein Wolf einen Zaun untergraben kann. Ein individueller Untergrabschutz an schwierigen Stellen kann auch durch Einbringung von festem Material, zum Beispiel Metallstangen, Baustahlmatten, Steinen, wie Findlingen, Betonbruch oder ähnlichem, erreicht werden.

Wie tief ein Zaun sinnvollerweise eingegraben werden sollte, hängt von lokalen Faktoren der Bodenbeschaffenheit ab. Ist der Boden so beschaffen, dass ein Wolf gut graben kann – wie beispielsweise bei sandigen Böden – ist in der Regel eine Tiefe von mindestens 50 Zentimetern zu empfehlen. Bei Gegebenheiten wie stark lehmigen, festem oder steinigen Böden bis hin zu bodennahen Gesteinsschichten kann eine geringere Tiefe ausreichend sein. Steht ein Zaun beispielsweise direkt angrenzend an einem stark verfestigten oder gepflasterten Weg, kann ein zusätzlicher Untergrabschutz, in Absprache mit Herdenschutzberatenden, verzichtbar sein. Da die Eingrabtiefe des Zaunes in der Zaunhöhe berücksichtigt werden muss, eignet sich diese Methode besonders für Neuanlagen. Ein Nachrüsten ist prinzipiell möglich, aber aufwändig.

Auch das Anbringen einer Schürze kommt hauptsächlich bei Neuanlagen in Frage. Eine Schürze ist ein Drahtgeflecht, das circa einen Meter lang sein sollte. Die Schürze wird an der Außenseite des Zaunes an der Bodenoberfläche mit Hilfe von Erdankern fixiert und ist gleichzeitig am Zaum befestigt.

Eine weitere Möglichkeit, einen Wolf am Untergraben zu hindern, ist die Anbringung eines elektrischen Leiters in einem Abstand von höchstens 20 Zentimeter über dem Boden und im Abstand von circa 15 Zentimetern vom Zaun. Ein zusätzlicher elektrischer Leiter auf 40 Zentimetern Höhe über dem Boden, wie er beispielsweise in Brandenburg für einen wolfsabweisenden Zaun gefordert wird, verhindert zusätzlich, dass ein Festzaun mit der Schnauze manipuliert werden kann.

Ein wolfsabweisender Elektrozaun benötigt keinen zusätzlichen Untergrabschutz. Sein unterster Stromleiter stellt den der Untergrabschutz dar. Damit der Zaun nicht doch untergaben wird, ist es wichtig, dass der unterste Stromleiter maximal 20 Zentimeter über dem Boden verläuft und jederzeit ausreichend Strom führt.

Überklettern und Überspringen vermeiden

Ein möglichst auf ganzer Länge straff gespannter Zaun hilft, die Höhe eines Zaunes komplett auszuschöpfen. Die Stellen, an denen Zäune durchhängen und damit weniger hoch sind, können einen Ansatzpunkt für einen Überwindungsversuch darstellen. Bei Elektrozäunen gewährleistet das straffe Spannen den passenden Abstand der Stromleiter zueinander. So wird die Stromführung und damit die wolfsabweisende Wirkung aufrechterhalten. Die Höhe eines Elektrozaunes kann optisch noch erhöht werden, indem eine Breitbandlitze als Flatterband über dem Zaun angebracht wird. Dabei ist darauf zu achten, dass der Abstand zum eigentlichen Zaun weniger als 30 Zentimeter beträgt.

Einen rein mechanisch wirkenden Festzaun kann ein Wolf berühren und so üben und lernen diesen zu überklettern. Daher ist es sinnvoll diese Zäune mit einen elektrischen Überkletterschutz aus einem vorgelagerten Stromleiter auszurüsten. Dieser kann oftmals mit Hilfe von Abstandsisolatoren am Zaun angebracht werden. Der Abstand sollte circa 10 bis 15 Zentimeter betragen. Die Höhe und die Art der Anbringung hängen unter anderem von der Höhe des mechanischen Festzaunes ab. Wichtig dabei ist, dass ein Wolf beim Überklettern des Zauns nicht an einer Berührung des Stromleiters vorbeikommt und bei Berührung einen Stromschlag erhält, der ihn zurückschrecken lässt. Prinzipiell kann der Überkletterschutz vorgelagert, schräg nach oben oder über dem Zaun angebracht werden. Ist der mechanische Festzaun beispielsweise bei Schafen 120 Zentimeter hoch, bietet ein zusätzlicher elektrischer Leiter, der über dem Zaun auf 140 Zentimeter Höhe angebracht ist, neben dem Überkletterschutz, auch den Vorteil einer Erhöhung des Zaunes.

Einsprunghilfen vermeiden

Auch hohe wolfsabweisende Zäune nutzen nichts, wenn ein Wolf die Möglichkeit hat, über eine Einsprunghilfe in die Weide zu gelangen. Auch Gegenstände, die niedriger sind als der Zaun, bieten Wölfen eine Einsprungmöglichkeit. Deshalb sollten Stroh- oder Heuballen, Misthaufen, Bänke, Baumstämme, Mauern, Holzstapel und Weiteres mehr, von Weidetierhaltenden als mögliche Einsprunghilfen für Wölfe wahrgenommen werden. Dabei ist der Abstand der Einsprunghilfe zum Zaun, die Zaunhöhe sowie die Höhe der Einsprungmöglichkeit zu beachten.

Möglichkeiten, um Einsprunghilfen zu vermeiden sind:

  • den Abstand zwischen der möglichen Einsprunghilfe und dem wolfsabweisenden Zaun zu vergrößern und/oder
  • für bewegbare Einsprunghilfen einen anderen Platz zu finden und/oder
  • den wolfsabweisenden Zaun an der Einsprunghilfe entsprechend zu erhöhen

Folgende Beispiele verdeutlichen dies: Je höher ein „unbeweglicher“ Baumstumpf oder eine begehbare Mauer ist, desto weiter weg sollte die eingezäunte Weidefläche liegen. Im Fall von Böschungen und Geländekanten, die als Einsprungmöglichkeit genutzt werden können, kommen alternativ zum Abstand-Einhalten ein versetzter Zaunverlauf entlang der erhöhten Stelle oder das Erhöhen des Zaunes in Frage.

Springen lernen - Die Nutzung von Einsprunghilfen

Sogenannte Einsprunghilfen können den Lernprozess Weidezäune zu überspringen, fördern und sollten daher dringend vermieden werden. Befindet sich beispielsweise ein Misthaufen oder Holzstapel neben dem Zaun, könnte ein Wolf diesen erhöhten Ort aufsuchen um sich zunächst einen Überblick über die Tiere zu verschaffen. Von oben und mit Blick über den Zaun hinweg stellt der Zaun keine ausreichende Barriere dar und ein Sprung wird wahrscheinlicher.

Befindet sich der Wolf nach dem Hereinspringen auf der Weide wird er den Zaun zum Verlassen erneut queren (müssen). Aber wie? Der Wolf wird den Zaun nicht zwangsläufig wieder überspringen, sondern situationsbedingt nach einer Lösung suchen. Ohne Aussprunghilfe – vom Boden gesehen – stellt der Zaun möglicherweise wieder eine Barriere dar, die er zuvor nur über die Einsprunghilfe überwunden hatte. Ist genügend Zeit vorhanden und die Möglichkeit gegeben, kann er ihn untergaben. Das Abtransportieren von Beute ist in der Regel unter einem Zaun hindurch leichter als über einen Zaun hinweg. Die Wahrscheinlichkeit des Herausspringens steigt, wenn der Zaun schnell überwunden werden muss und / oder der Zaun wie bei einem wolfsabweisend gebauten Elektrozaun das Untergraben behindert.

Es mag nicht einleuchtend erscheinen, aber das Verlassen einer Weide und das gezieltes Eindringen in eine Weide können sehr unterschiedliche Problemlöse-Situationen für Wölfe darstellen. Selbst ein Tier, das mehrfach aus einer umzäunten Weide hinausspringt wird nicht zwangsläufig diese Technik anwenden, um auf die Weide zu gelangen. Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass die Wahrscheinlichkeit diesen oder einen ähnlichen Zaun zu überspringen mit jedem erfolgreichen Sprung über einen Weidezaun steigt.

 

 

Letzte Aktualisierung: 03.06.2022