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Pflanze

Forstliches Vermehrungsgut

Forstliches Vermehrungsgut

Ein Waldbaum soll meist ├Ąlter als hundert Jahre werden. Wenn er ├╝ber diese lange Zeitspanne hinweg stabil wachsen soll, dann ist es au├čerordentlich wichtig, das richtige Vermehrungsgut zu verwenden. Denn genetisch bedingte Nachteile zeigen sich oft erst nach Jahrzehnten.

Wird ungeeignetes Vermehrungsgut verwendet, so besteht die Gefahr, dass der neu begr├╝ndete Bestand hohe Ausf├Ąlle oder unbefriedigenden Zuwachs zeigt, anf├Ąllig gegen Sch├Ądlinge ist, erheblich unter Schneebruch leidet oder sogar v├Âllig untergeht.

Entscheidend sind Angepasstheit und Anpassungsf├Ąhigkeit

Zwei Faktoren bestimmen die genetische Eignung von forstlichem Vermehrungsgut f├╝r eine nachhaltige Forstwirtschaft: Angepasstheit und Anpassungsf├Ąhigkeit.

Forstliches Vermehrungsgut muss also zum einen an die Bedingungen des zuk├╝nftigen Standortes (z. B. Frost, Trockenheit, Vorkommen von Schadorganismen) angepasst sein. Daf├╝r ist es wichtig, die Herkunft des Vermehrungsgutes zu kennen. Zum anderen muss es eine ausreichende genetische Vielfalt aufweisen, damit die daraus hervorgehenden Waldbest├Ąnde sich ihre Anpassungsf├Ąhigkeit an m├Âgliche zuk├╝nftige Umweltver├Ąnderungen bewahren. Daf├╝r ist es unter anderem wichtig, dass viele verschiedene B├Ąume aus m├Âglichst vielen Best├Ąnden beerntet werden.

Das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG)

Da man bei Vermehrungsgut Herkunft und genetische Eigenschaften ├Ąu├čerlich nicht erkennen kann, unterliegen Gewinnung und Vertrieb von forstlichem Vermehrungsgut strengen gesetzlichen Regelungen. Das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) regelt den Verkehr mit forstlichem Vermehrungsgut. Es umfasst eine Liste von 45 in Deutschland einheimischen und eingeb├╝rgerten Baumarten.

F├╝r 26 f├╝r Deutschland relevante Baumarten sowie die Hybridl├Ąrche und die Gattung Pappel sind im FoVG Herkunftsgebiete ausgewiesen und Ausgangsmaterial f├╝r die Erzeugung von Vermehrungsgut zugelassen:

Botanischer Name Deutscher Name
Abies alba Mill. Wei├čtanne
Abies grandis Lindl. Gro├če K├╝stentanne
Acer platanoides L. Spitzahorn
Acer pseudoplatanus L. Bergahorn
Alnus glutinosa (L.) Gaertn. Schwarzerle (Roterle)
Alnus incana (L.) Moench Grauerle
Betula pendula Roth Sandbirke
Betula pubescens Ehrh. Moorbirke
Carpinus betulus L. Hainbuche
Castanea sativa Mill. Esskastanie
Fagus sylvatica L. Rotbuche
Fraxinus excelsior L. Esche
Larix decidua Mill. Europ├Ąische L├Ąrche
Larix kaempferi (Lamb.) Carr. Japanische L├Ąrche
Larix x eurolepis Henry Hybridl├Ąrche
Picea abies (L.) Karst. Fichte (Gemeine Fichte)
Picea sitchensis (Bong.) Carr. Sitkafichte
Pinus nigra Arnold Schwarzkiefer
Pinus sylvestris L. Waldkiefer (Gemeine Kiefer)
Populus spp. Pappeln (alle Arten und k├╝nstlichen Hybriden)
Prunus avium L. Vogelkirsche (au├čer zur Verwendung im Obstbau)
Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco Douglasie
Quercus petraea (Mattuschka) Liebl. Traubeneiche
Quercus robur L. Stieleiche
Quercus rubra L. Roteiche
Robinia pseudoacacia L. Robinie
Tilia cordata Mill. Winterlinde
Tilia platyphyllos Scop. Sommerlinde

Das FoVG unterscheidet vier Kategorien von forstlichem Vermehrungsgut, die hier hinsichtlich ihres Informationsgehaltes ├╝ber das Ausgangsmaterial in absteigender Reihenfolge aufgef├╝hrt sind:

  • Gepr├╝ft: Besonders hochwertiges Vermehrungsgut, dessen Ausgangsmaterial aufw├Ąndig gepr├╝ft wurde und das ├╝ber eine erblich bedingte ├ťberlegenheit bei bestimmten Merkmalen wie z. B. Widerstandsf├Ąhigkeit, Volumenzuwachs oder Formeigenschaften verf├╝gt.
  • Qualifiziert: Vermehrungsgut von Ausgangsmaterial, das aus selektierten Einzelb├Ąumen als Samenplantage zusammengestellt und somit z├╝chterisch bearbeitet worden ist.
  • Ausgew├Ąhlt: Vermehrungsgut aus Waldbest├Ąnden, die nach ├Ąu├čerlich erkennbaren Qualit├Ątskriterien ausgelesen wurden, wie z. B. Geradschaftigkeit, Wuchsleistung und Gesundheit.
  • Quellengesichert: Vermehrungsgut, dessen Ausgangsmaterial keinerlei Auslese unterworfen wurde und von dem lediglich Herkunftsgebiet, Lage, H├Âhenlage und Autochthonie des Ausgangsmaterials bekannt sein m├╝ssen. In Deutschland ist kein Ausgangsmaterial dieser Kategorie zugelassen.

Was ist beim Erwerb von forstlichem Vermehrungsgut zu beachten?

In Deutschland sind f├╝r die waldbauliche Verwendung drei Kategorien von forstlichem Vermehrungsgut geeignet: "Ausgew├Ąhlt", "qualifiziert" und "gepr├╝ft". Die f├╝r die forstliche Praxis bei weitem bedeutendste Kategorie ist "Ausgew├Ąhlt". In Deutschland sind ├╝ber 16.000 Best├Ąnde f├╝r die Ernte von "Ausgew├Ąhltem Vermehrungsgut" zugelassen.

Bei der Beschaffung empfiehlt es sich, rechtzeitig Angebote von vertrauensw├╝rdigen Lieferanten einzuholen. Eine m├Âglichst fr├╝hzeitige Vorbestellung erm├Âglicht dem Forstsamen- oder Forstpflanzenbetrieb eine langfristige Planung und damit die Lieferung des optimalen Vermehrungsgutes.

Herkunftsgebiete

Wichtig sind dabei die richtige Herkunft und eine korrekte Herkunftskennzeichnung. Saat- und Pflanzgut m├╝ssen aus Best├Ąnden stammen, die sich f├╝r die jeweilige Klimaauspr├Ągung und H├Âhenlage als geeignet erwiesen haben.

Die Forstverwaltungen der L├Ąnder geben Herkunftsempfehlungen heraus. Sie sind in der Regel auch die Grundlage f├╝r die F├Ârderung von Verj├╝ngungsma├čnahmen. Wenn Fragen zur richtigen Zuordnung von Waldfl├Ąchen zu Herkunftsgebieten bestehen, k├Ânnen die ├Ârtlich zust├Ąndigen Forst├Ąmter weiterhelfen. Die Abgrenzung der Herkunftsgebiete ist in der "Verordnung ├╝ber Herkunftsgebiete f├╝r forstliches Vermehrungsgut" festgelegt.

Qualit├Ąt des Vermehrungsgutes

Das Vermehrungsgut wird von einem Lieferschein begleitet und mit einem Etikett gekennzeichnet. Auf beiden Dokumenten ist u. a. die Stammzertifikatnummer angegeben, so dass jederzeit auf die Angaben im Stammzertifikat zur├╝ckgegriffen werden kann.

Nach der Lieferung sollte sofort ├╝berpr├╝ft werden, ob die Angaben vollst├Ąndig sind, ob Menge und Qualit├Ąt der Bestellung entsprechen oder ob Sch├Ąden erkennbar sind.

Die wichtigsten Daten (Baumart, Sortiment, Herkunftsgebiet, Lieferant und Rechnungsdatum) sollte der Waldbesitzer langfristig festhalten, um sp├Ąter auf diese Informationen zur├╝ckgreifen zu k├Ânnen.

Was ist bei der Ernte von forstlichem Vermehrungsgut zu beachten?

Zulassung von Erntebest├Ąnden

Jede Waldbesitzerin und jeder Waldbesitzer hat das Recht, bei der zust├Ąndigen Forstbeh├Ârde seines Bundeslandes einen formlosen Antrag auf Zulassung von Best├Ąnden f├╝r die Beerntung zu stellen. Die Zulassung von Erntebest├Ąnden kann bei st├Ąrkerer Besitzzersplitterung auch der zust├Ąndige forstwirtschaftliche Zusammenschluss beantragen, um ausreichend gro├če Zulassungseinheiten zu erreichen. Ein zur Zulassung anstehender Bestand wird dann von der zust├Ąndigen Beh├Ârde im Hinblick auf den Zweck beurteilt, f├╝r den das Vermehrungsgut bestimmt sein soll. In der Regel ist dies "multifunktionale Forstwirtschaft". Dazu wird der Bestand von einer Kommission in Augenschein genommen.

Gesetzliche Regelungen zu forstlichem Vermehrungsgut

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, die selbst forstliches Vermehrungsgut ernten und in Verkehr bringen, sind allen Regelungen des FoVG unterworfen und m├╝ssen sich rechtzeitig vor Beginn der Erntearbeiten als Forstsamen- oder Forstpflanzenbetrieb anmelden.

Hinsichtlich der Gewinnung, der Behandlung und dem Inverkehrbringen von forstlichem Vermehrungsgut sind die gesetzlichen Regelungen zwingend zu beachten. So darf zum Beispiel forstliches Vermehrungsgut vom Ernteort bzw. der Sammelstelle nur weggebracht werden, wenn ein Stammzertifikat beigef├╝gt ist. Dieses Stammzertifikat wird - bei der Ernte - von der Forstbeh├Ârde ausgestellt und enth├Ąlt alle wesentlichen Angaben ├╝ber das Vermehrungsgut.

Nur die Ernte von Vermehrungsgut im eigenen Wald zur unmittelbaren Saat oder Pflanzung im eigenen Forstbetrieb ÔÇô ohne zwischengeschalteten Anzuchtbetrieb ÔÇô ist davon freigestellt.  

Identit├Ątssicherung

Zur Sicherung seiner Identit├Ąt muss forstliches Vermehrungsgut, das in den Verkehr gebracht werden soll, l├╝ckenlos von der Ernte (im Bestand oder in der Samenplantage) bzw. Vermehrung (aus Klonen, Klonmischungen oder Familieneltern) ├╝ber die Aufbereitung, die Lagerung, die Bef├Ârderung und die Anzucht bis zum Endverbraucher nach Zulassungseinheiten (also Erntebestand, Samenplantage etc.) in Partien getrennt gehalten und gekennzeichnet werden. Die Verantwortung tr├Ągt der Forstsamen- oder Forstpflanzenbetrieb, der die jeweiligen Arbeiten durchf├╝hrt.

Qualit├Ątssicherung

Vermehrungsgut muss bestimmte Anforderungen an die ├Ąu├čere Beschaffenheit erf├╝llen: Partien von Pflanzgut oder Pflanzenteilen m├╝ssen von handels├╝blicher Beschaffenheit sein. Das bedeutet z. B., dass sie frisch, gesund, ohne Besch├Ądigung und von geeigneter Gr├Â├če sein m├╝ssen.

Bei Saatgut muss zus├Ątzlich eine Saatgutpr├╝fung erfolgen, bei der u. a. Reinheit und Keimf├Ąhigkeit gepr├╝ft werden. Die Artreinheit von Saatgut muss mindestens 99 Prozent betragen ÔÇô au├čer bei eng verwandten Arten derselben Gattung, die h├Ąufig auch von Natur aus in Mischung auftreten (Sand- und Moorbirke, Stiel- und Traubeneiche, Winter- und Sommerlinde).