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Pflanze

Nachhaltige Gr├╝nlandwirtschaft

Nachhaltige Gr├╝nlandwirtschaft

Gr├╝nland ist f├╝r viele Regionen Deutschlands landschaftspr├Ągend. Auf fast 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfl├Ąche in Deutschland wachsen dauerhaft Gr├Ąser und Kr├Ąuter, die entweder beweidet oder gem├Ąht werden.

Der Erhalt von Gr├╝nland hat sowohl im Natur- und Umweltschutz als auch in der Agrarpolitik eine hohe Priorit├Ąt. Es wird politisch besonders gesch├╝tzt und darf nicht einfach in Ackerland umgewandelt werden. Als Futterlieferant tr├Ągt es zum landwirtschaftlichen Einkommen bei. F├╝r Landwirtinnen und Landwirte ist es ├Âkonomisch auch im Rahmen der Cross Compliance bedeutsam, da sie bestimmte Anforderungen erf├╝llen m├╝ssen, um Pr├Ąmienzahlungen zu erhalten.

Die Gr├╝nlandnutzung hat sich vor allem dort entwickelt, wo eine ackerbauliche Nutzung aufgrund der klimatischen und der geomorphologischen Gegebenheiten ung├╝nstiger ist. Hohe Niederschl├Ąge und hohe Grundwasserst├Ąnde, extreme Hangneigungen und hohe Tongehalte des Bodens kennzeichnen klassische Gr├╝nlandstandorte. Die ganzj├Ąhrig geschlossene Pflanzendecke des Gr├╝nlandes verhindert einen Bodenabtrag durch Wasser- und Winderosion.

Dauergr├╝nland ÔÇô eine Eingrenzung

Dauergr├╝nland ist f├╝r den Boden-, Wasser-, Biotop- und Artenschutz bedeutsam. Auch f├╝r den Tourismus spielt ein Landschaftsbild mit Wiesen und Weiden eine gro├če Rolle. Trotz einer allgemein hohen Wertsch├Ątzung in der Gesellschaft nimmt aber die traditionelle Gr├╝nlandnutzung besonders an benachteiligten Standorten ab. Ziel von Bund, L├Ąndern und Regionen sind der Erhalt und die nachhaltige Nutzung der bestehenden Gr├╝nlandfl├Ąchen.

Seit dem 1. Januar 2015 wird das Dauergr├╝nland durch das sogenannte Greening gesch├╝tzt. In umweltsensiblen Gebieten darf Dauergr├╝nland weder umgewandelt noch gepfl├╝gt werden. In den anderen Gebieten ben├Âtigt der Landwirt eine Genehmigung der zust├Ąndigen Beh├Ârde, wenn er die Nutzungsart derartiger Fl├Ąchen ├Ąndern will.

Nach mindestens f├╝nfj├Ąhriger kontinuierlicher Nutzung einer landwirtschaftlichen Fl├Ąche zum Anbau von Gras oder anderen Gr├╝nfutterpflanzen wird diese als Dauergr├╝nland bezeichnet. Die Fl├Ąchen dienen der Produktion von Futter- und Nahrungsmitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen. Neben diesen Versorgungsleistungen erbringt das Gr├╝nland zahlreiche Regulierungsleistungen. Dazu z├Ąhlen die Erhaltung und F├Ârderung der Biodiversit├Ąt, der Bodenfruchtbarkeit und die Filtrationsleistung sowie der Hochwasser- und Erosionsschutz. Nicht messbar, aber gesellschaftlich sehr wichtig sind die zahlreichen soziokulturellen Leistungen des Gr├╝nlandes innerhalb des l├Ąndlichen Raumes.

Dauergr├╝nland wird, bestimmt durch den Standort, die Pflanzendifferenzierung und die Nutzungsweise, in drei Funktionstypen unterteilt:

  • Produktives bzw. intensives Gr├╝nland
  • Extensivgr├╝nland
  • Biotopgr├╝nland

Produktives Gr├╝nland zeichnet sich durch einen relativ artenarmen und ertragsf├Ąhigen Pflanzenbestand aus, der eine qualitativ hochwertige Biomasse liefert. Eine typische Zeigerpflanze ist das Deutsche Weidelgras. Dieser Funktionstyp unterliegt einer nachhaltig optimalen Bewirtschaftungsintensit├Ąt und ist gekennzeichnet durch zwei bis vier Nutzungen je nach Pflanzenbestandstyp, eine entzugsorientierte Phosphor- und Kalium-D├╝ngung, bedarfsgerechte Kalkung und eine ├Âkonomisch optimale Stickstoff-D├╝ngung gem├Ą├č D├╝ngeverordnung.

Extensivgr├╝nland besteht in der Regel aus einem artenreicheren Pflanzenbestand, der bei zwei bis drei Nutzungen im Jahr ein mittleres Ertragsniveau erreicht und Biomasse mittlerer Qualit├Ąt bereitstellt. Der N├Ąhrstoffentzug wird nicht durch D├╝ngema├čnahmen ausgeglichen. Eine typische Pflanzengesellschaft f├╝r extensiv genutztes Gr├╝nland ist zum Beispiel die Glatthaferwiese.

Biotopgr├╝nland ist in der Regel mit artenreichen Pflanzengesellschaften und naturschutzfachlich besonders wertvollen Arten ausgestattet. Kalkmagerrasen und Streuwiesen sind typische Biotopgr├╝nlandfl├Ąchen. Es erfolgt keine N├Ąhrstoffzufuhr, ausgenommen die ├╝ber Weidetierexkremente, und in der Regel j├Ąhrlich eine ein- bis zweimalige Nutzung. Die Verwertung der Biomasse als Futter in der energetischen Verwendung ist mit niedrigen Leistungen verbunden.

Gr├╝nland ├╝bernimmt vielf├Ąltige Aufgaben

Verwendung als Futtermittel

Gr├╝nland dient in erster Linie der Bereitstellung von Futter f├╝r Wiederk├Ąuer und Pferde. Die Anspr├╝che von Hochleistungstieren in der Milch- und Fleischproduktion an ihr Futter sind enorm. Passende Pflanzenarten, optimale M├Ąhzeitpunkte, die Nutzungsh├Ąufigkeit und die H├Âhe der D├╝ngung gew├Ąhrleisten eine optimale Versorgung der Tiere mit viel Eiwei├č und essenziellen N├Ąhrstoffen. Eine extensive, gro├čfl├Ąchige Weidehaltung auf Gr├╝nlandstandorten mit hoher Artenvielfalt eignet sich f├╝r Tiere, die bez├╝glich des Futterwertes anspruchsloser sind.

Erzeugung von Biomasse f├╝r die energetische Verwertung

Bei der Erzeugung von Biomasse f├╝r die energetische Verwertung r├╝cken Gr├Ąser st├Ąrker in den Fokus. Derzeit liegt der Anteil der Grassilage an der Biogasgewinnung in Deutschland unter 10 Prozent. Bei der Umwandlung von pflanzlicher Biomasse in Gas (Methan, CO2) laufen wie in der Wiederk├Ąuerverdauung mikrobielle G├Ąrungsprozesse ab. Die Gasausbeute aus Grassilage h├Ąngt entscheidend von der Energiedichte des eingesetzten M├Ąhgutes ab. Deshalb werden f├╝r die Biogasgewinnung vor allem intensiv bewirtschaftete Gr├╝nl├Ąndfl├Ąchen verwendet.

Schutz von Boden und Grundwasser

Gr├╝nland tr├Ągt zum Schutz von Boden und Grundwasser bei. Als Kohlenstoffspeicher tr├Ągt es zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und zur Klimaregulation bei. Es ├╝bernimmt als ├ťbergangsbereich zwischen den verschiedenen Lebensr├Ąumen Acker, Wald, Gew├Ąsser und Siedlung wichtige Funktionen der Biodiversit├Ąt und wertet f├╝r viele Pflanzen- und Tierarten die Lebensbedingungen auf. Gr├╝nland schafft und erh├Ąlt Landschaften mit hohem Erholungswert.

Ziele einer nachhaltigen Gr├╝nlandwirtschaft

Mit der F├Ârderung einer nachhaltigen Gr├╝nlandwirtschaft wird eine Reihe von Zielen angestrebt. Dies betrifft etwa

  • die erh├Âhte Wertsch├Âpfung von Dauergr├╝nland, insbesondere auf produktiven Standorten, sowie den Erhalt bzw. den Ausbau der damit verbundenen Tierhaltung,
  • die Aufrechterhaltung und weitere Verbesserung des spezifischen Beitrages der Dauergr├╝nlandnutzung zu Natur-, Umwelt-, Klimaschutz und Tierwohl,
  • die Verbesserung der Wettbewerbsf├Ąhigkeit und Innovationskraft gr├╝nlandbewirtschaftender Betriebe sowie 
  • die Verbesserung der Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft.