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Tierwohl in der Pferdehaltung

Tierwohl in der Pferdehaltung

Pferde sind Herden- und Steppentiere, die einen gro├čen Teil ihres Tages mit der Nahrungsaufnahme besch├Ąftigt sind und in Freiheit daf├╝r gro├če Wegstrecken zur├╝cklegen. Alle Empfehlungen zur Haltung und zum Wohl des Pferdes bauen auf diesen nat├╝rlichen Verhaltensweisen auf.

In der Praxis der Pferdehaltung gibt es verschiedene Ans├Ątze, das Wohlbefinden von Pferden zu steigern. Dazu z├Ąhlen mehr Weidegang, der Bau von so genannten Aktiv- bzw. Bewegungsst├Ąllen und nat├╝rlich die Bereitstellung von ausreichend Raufutter. Wesentlich f├╝r das Wohlbefinden der Tiere sind jedoch auch die Rahmenbedingungen, unter denen Pferdehaltung stattfindet: Erfolgt die Betreuung durch qualifiziertes Personal oder eher durch ungelernte Arbeitskr├Ąfte? Wer organisiert die Pflege der Tiere (Hufschmied, Entwurmung, Schutzimpfungen)? Wie gestaltet sich das Training? Als Orientierung f├╝r die Beurteilung der Tiergerechtheit von Pferdehaltungen dienen die Leitlinien, die das Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung und Landwirtschaft (BMEL) erstellt hat.

BMEL: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten

Einzelhaltung weit verbreitet

Welche Haltungsform gew├Ąhlt wird, h├Ąngt in der Regel von der Struktur der Betriebe ab (Sport- oder Freizeitst├Ąlle, Pferdezucht). Viele von ihnen praktizieren auch heute noch die Haltung von Pferden in Einzelboxen, die allerdings immer h├Ąufiger mit einem davorliegenden Paddock kombiniert wird. Dieser gestattet mehr Sicht-, H├Âr- und Geruchskontakt zwischen den Tieren als fr├╝her ├╝bliche Aufstallungsformen. Dem Bed├╝rfnis der Pferde nach Bewegung und Sozialkontakten wird er aber auch nur eingeschr├Ąnkt gerecht. Im Sinne des Wohlbefindens der Tiere, sollte ihnen deshalb ein t├Ąglicher Weidegang (von mehreren Stunden und in der Gruppe) gew├Ąhrt werden.

Anteil der Gruppenhaltungen nimmt zu

Anders sieht es bei der Gruppenhaltung von Pferden aus, deren Anteil in Deutschland immer mehr zunimmt. Bei dieser Haltungsform leben die Tiere in kleineren Gruppen (Auslaufhaltung) oder gro├čfl├Ąchig angelegten Bewegungsst├Ąllen zusammen. Fress-, Auslauf- und Ruhebereiche sowie weitere Strukturelemente sind getrennt voneinander angeordnet, so dass die Pferde zu mehr Bewegung angeregt werden.

Pferdeweiden richtig pflegen

Der t├Ągliche Weidegang ist in den meisten Pferdebetrieben heute eigentlich selbstverst├Ąndlich, auch bei der Haltung von Sportpferden. Doch Pferdeweiden m├╝ssen gut gepflegt werden. Dies wird leider h├Ąufig vernachl├Ąssigt, was zu einem vermehrten Wuchs von Unkr├Ąutern oder gar Giftpflanzen (Jakobskreuzkraut, Graukresse) f├╝hren kann. Experten empfehlen, die Grasnarbe nicht zu kurz verbei├čen zu lassen, Kot abzusammeln, Gailstellen so klein wie m├Âglich zu halten, regelm├Ą├čig nachzus├Ąen sowie staunasse und nasse Fl├Ąchen zu meiden (Gefahr des Befalls mit Endoparasiten sowie von Strahlf├Ąule und Mauke). Dar├╝ber hinaus sollten Pferdeweiden stabil eingez├Ąunt sein.

Stets gen├╝gend Raufutter und Wasser

Raufutter sollten Pferde stets gen├╝gend zur Verf├╝gung haben. Es ist essenziell f├╝r ein gut funktionierendes Verdauungssystem. Fachleute empfehlen die t├Ągliche Menge von ca. 1,5 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm K├Ârpergewicht als Richtwert. Da Pferde sehr verdauungssensibel sind, sollten sie nur Raufutter in besonders guter Qualit├Ąt erhalten. Bei Allergikern und Pferden mit Husten bietet sich eine Heulage-F├╝tterung an. Die Gabe geeigneter Mineralstoffmischungen beugt Mangelerscheinungen (aber auch einer ├ťberversorgung) an N├Ąhrstoffen vor. Sauberes Tr├Ąnkwasser sollte stets in ausreichender Menge zur Verf├╝gung stehen und f├╝r jedes Pferd sicher zug├Ąnglich sein. Besonders im Winter m├╝ssen Tierhalterinnen und Tierhalter auf die Funktionsf├Ąhigkeit der Tr├Ąnken achten (Gefahr von Koliken).

Viele Pferde leiden unter Wohlstandskrankheiten

Bei Pferden, die in Arbeit stehen, kann die Zuf├╝tterung von Kraftfutter erforderlich sein. Nach wie vor gilt der Hafer aufgrund seiner ern├Ąhrungsphysiologischen Eigenschaften als das Pferdefutter schlechthin, auch wenn das Angebot an Erg├Ąnzungsfuttern und M├╝slis auf dem Markt immens ist. Hier sind zunehmend auch getreidefreie und zuckerreduzierte Futtermischungen zu finden, was unter anderem daran liegt, dass heute immer mehr Pferde an Wohlstandserkrankungen (Herz- und Kreislaufbeschwerden, Hufrehe, Equines Metabolisches Syndrom oder Equines Cushing Syndrom) und Allergien leiden. Viele Tiere sind einfach zu dick, weil ihre Besitzer den N├Ąhrstoffbedarf falsch einsch├Ątzen, die Energie- und Eiwei├čwerte der Weiden untersch├Ątzen oder es einfach zu gut mit ihren Tieren meinen. Die effizienteste Methode, dicke Pferde wieder schlank zu bekommen, ist - neben einer bedarfsgerechten Ern├Ąhrung - gen├╝gend Bewegung und ein gut durchdachtes Training ÔÇô unter dem Reiter, an der Longe oder vor der Kutsche.

Gesunde Pferde durch gutes Stallklima

Pferde gesund zu erhalten ist auch eine Frage des richtigen Stallklimas. Pferdest├Ąlle sollten hell und gut bel├╝ftet sein. Ihre Innentemperatur sollte der Au├čentemperatur folgen. Die Wahl der Einstreu beeinflusst das Wohlbefinden der Pferde in hohem Ma├če. Geeignet sind Materialien, die trocken und verformbar sind und N├Ąsse gut binden. Der Staubentwicklung und hohen Schadgaskonzentrationen sollte vorgebeugt werden. Stroh ist der Klassiker, doch es gibt zahlreiche Alternativen (Strohpellets, Hobelsp├Ąne, Miscantus).

Biosecurity ÔÇô nicht nur wegen Herpes und Druse

Seit sich die F├Ąlle von Herpes und Druse in deutschen St├Ąllen mehren, r├╝ckt die Biosicherheit und der Schutz der Pferde vor ansteckenden Krankheiten wieder mehr in den Blickpunkt der Pferdehalterinnen und -halter. Empfohlen wird ein Hygienemanagement, dass auf mehreren S├Ąulen basiert. Dazu z├Ąhlen:  - das Tiermanagement: separater Quarant├Ąnestall, gemeinsames Impf- und Entwurmungsmanagement etc., - das Personenmanagement, das alle Personen betrifft, die mit den Pferden auf dem Betrieb in Verbindung kommen: Stallbesitzer, Reiter, Tierarzt, Schmied, Futtermittellieferanten und Entmister sollten in Bezug auf die Biosicherheit (z.B. H├Ąndewaschen, Desinfektion, besondere Hygienema├čnahmen bei Krankheitssituationen) an einem Strang ziehen, - das Umweltmanagement der Stallanlage, der Wiesen, der Paddocks und weiterer baulicher Anlagen: saubere und trockene Lagerung des Futters, r├Ąumliche Trennung von Mist- und Futterlagerst├Ątten, regelm├Ą├čige Reinigung und Desinfektion von Stallfahrzeugen und Arbeitsger├Ąten etc.