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Tier

Eutererkrankungen bei Milchk├╝hen vermeiden

Eutererkrankungen bei Milchk├╝hen vermeiden

Euterentz├╝ndungen sind die h├Ąufigsten und teuersten Krankheiten im Bereich der Milcherzeugung. Die Hauptverluste entstehen durch verminderte Milchleistung und nicht verwertbare Milch. Neben Fruchtbarkeitsst├Ârungen sind Eutererkrankungen die zweith├Ąufigste Abgangsursache f├╝r Milchk├╝he.

In Deutschland beziffern sich die wirtschaftlichen Verluste, die durch Eutergesundheitsst├Ârungen verursacht werden, j├Ąhrlich auf etwa 1,4 Milliarden Euro. Legt man diese Verlustsumme um auf die j├Ąhrlich erzeugte Milchmenge von etwa 30 Millionen Tonnen, dann ist jedes erzeugte Kilogramm Milch allein durch Eutererkrankungen von vornherein mit etwa 4,7 Cent an theoretischen Kosten (bzw. an entgangenem Gewinn) belastet.

Mastitis - Eine Entz├╝ndung des Rindereuters

Die Mastitis des Rindes ist eine bakterielle Entz├╝ndung der Milchdr├╝sen. Treffen die falschen Krankheitserreger auf die richtigen Bedingungen, k├Ânnen sie sich ungehemmt vermehren.

Die Bakterien dringen in der Regel ├╝ber den Strichkanal in das Euter ein und wandern ├╝ber die Milchzisterne und die Milchkan├Ąle in die Dr├╝senl├Ąppchen in die einzelnen Alveolen. Die Keime vermehren sich dort in kurzer Zeit, woraufhin der Organismus der Kuh mit einer Entz├╝ndung reagiert. Neben Bakterien gibt es vereinzelt auch Hefen, Schimmelpilze und Algen, die eine Euterentz├╝ndung verursachen k├Ânnen, die aber auf Antibiotika nicht ansprechen.

Mehrere Faktoren machen es den Krankheitserregern m├Âglich, sich ungehemmt zu vermehren: Tier, Umwelt und Erreger. Tierbedingte Faktoren sind beispielsweise die k├Ârpereigenen Abwehrkr├Ąfte, das Vorhandensein von Stressfaktoren und das Laktationsstadium. Zu den umweltbedingten Faktoren z├Ąhlen vor allem mangelnde Haltungshygiene, Hygienem├Ąngel beim Melken, Zitzenkonditionsm├Ąngel und fehlerhafte Melktechnik. Die Art der Krankheitserreger spielt nat├╝rlich auch eine gro├če Rolle.

Werden gleichzeitig Mastitiserreger und erh├Âhte Zellzahlen in Viertelanfangsgemelken festgestellt, handelt es sich um eine Mastitis.

Wie kann man Mastitis feststellen?

Durch das Vormelken in einen Vormelkbecher mit dunklem Untergrund lassen sich Ver├Ąnderungen in der Milch wie Flocken feststellen. Die Zellzahlen in der Milch sind auch ein guter Indikator f├╝r die Eutergesundheit. Bei Entz├╝ndungen steigen sie stark an. Der Schalmtest ist ein einfaches und preiswertes Verfahren, mit dem ein Verdacht auf Entz├╝ndung eines Euterviertels direkt im Stall festgestellt werden kann. Dabei gibt man eine Testfl├╝ssigkeit zu frisch gemolkener Milch. Je z├Ąhfl├╝ssiger das Gemisch wird, desto h├Âher die Zellzahl. Um einen Mastitisverdacht zu erh├Ąrten, m├╝ssen Milchproben in einem Labor untersucht werden.

Subklinische Mastitis ist die h├Ąufigste Verlustursache

Zur├╝ckgef├╝hrt werden m├╝ssen die Verluste im Wesentlichen auf eine von den Milcherzeugern nicht erkannte oder nicht beachtete subklinische Mastitis. Die Verluste bestehen dabei zu rund 70 Prozent aus der verringerten Milchleistung der betroffenen Euterviertel. Die aufgrund hoher Zellzahlen nicht verwertbare Milch hat einen Anteil von rund 11 Prozent an den Verlusten; erh├Âhte Remontierungskosten durch vorzeitiges Ausscheiden erkrankter Tiere aus dem Produktionsprozess, erh├Âhter Arbeitsaufwand f├╝r das Melken und die Betreuung erkrankter Tiere sowie Tierarztkosten schlagen zusammen mit etwa 19 Prozent zu Buche.

Jede subklinische Mastitis kostet mindestens 250 Euro je Kuh und Laktation. Eine schwere klinische Euterentz├╝ndung mit Fieber und Allgemeinst├Ârungen bedeutet sogar einen Verlust von etwa 500 Euro je Kuh und Laktation.

Aber nicht nur ├Âkonomische Gr├╝nde sprechen f├╝r die Vermeidung von Euterentz├╝ndungen: Milchk├╝he mit einer akuten Mastitis k├Ânnen starke Schmerzen haben.

Zahlreiche Faktoren beg├╝nstigen die Erkrankung

Es sind jedoch nicht allein die Krankheitserreger, die eine Mastitis verursachen. Eine Reihe anderer Faktoren wie Haltungsbedingungen, Melkhygiene und -technik sowie die k├Ârpereigene Abwehr der Kuh k├Ânnen die Erkrankung beg├╝nstigen. Heutige Milchk├╝he mit ihren hohen Leistungen sind sehr leichtmelkig (schw├Ąchere Schlie├čmuskeln) und haben k├╝rzere Strichkan├Ąle, sodass Krankheitserreger leichter in das Euter eindringen k├Ânnen. Deshalb m├╝ssen umweltbedingte Keime im Stall so niedrig wie m├Âglich gehalten werden. Liegeboxen und Laufg├Ąnge m├╝ssen sauber und trocken sein, denn Bakterien brauchen Feuchtigkeit, um sich zu vermehren. Eine gute Stallhygiene und helle gut durchl├╝ftete St├Ąlle mit breiten Laufwegen und optimal gestaltete Liegefl├Ąchen sind damit wichtige Voraussetzung, um die Eutergesundheit einer Herde zu erhalten oder wiederherzustellen. Es gibt also viele Stellschrauben, an denen gedreht werden kann, um Euterentz├╝ndungen zu vermeiden.

Trockenstellen ohne Antibiotika

Bei eutergesunden Tieren kann auf den Einsatz von Antibiotika zum Trockenstellen verzichtet werden. Dies tr├Ągt zur generellen Reduzierung von Antibiotika bei und spart Kosten.

In der Regel wird empfohlen alle K├╝he antibiotisch trocken zu stellen, um bestehende Infektionen zu heilen oder vor Neuinfektionen in der Trockenstehzeit zu sch├╝tzen. Verschiedene Studien haben jedoch gezeigt, dass es bei eutergesunden K├╝hen gar nicht n├Âtig ist, sie antibiotisch trockenzustellen.

Beim selektiven Trockenstellen werden die K├╝he zum Zeitpunkt des Trockenstellens in eutergesunde K├╝he und euterkranke selektiert - daher der Begriff selektives Trockenstellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Tierhalterin bzw. der Tierhalter den Eutergesundheitsstatus der eigenen Herde gut kennt.

Zellzahlen der Milchkontrolle heranziehen

F├╝r die Einteilung der K├╝he kann die Zellzahl aus der letzten Milchkontrolle vor dem Trockenstellen herangezogen werden:

  • K├╝he mit Zellzahlen unter 100.000 Zellen gelten als eutergesund und werden ohne Antibiotika trockengestellt.
  • Bei Tieren mit Zellzahlen zwischen 100.000 und 200.000 Zellen pro Milliliter wird zum Zeitpunkt des Trockenstellens der Schalmtest durchgef├╝hrt. Bei negativen Reaktionen und keinen deutlichen Vierteldifferenzen wird das Tier als eutergesund eingestuft und auch ohne Antibiotikum trockengestellt.
  • Von Tieren mit Zellzahlen ├╝ber 200.000 Zellen m├╝ssen Viertelgemelksproben zur zyto-bakteriologischen Untersuchung genommen werden. Entsprechend dem Ergebnis wird dann weiter gezielt verfahren.

Einsatz von Zitzenversieglern

In Betrieben mit hohem Infektionsdruck - insbesondere bei Aufstallung der Trockensteher auf Tiefstreu oder Tretmist - wird zum Schutz vor Neuinfektionen empfohlen, die Zitzenzisternen mit einem internen Zitzenversiegler zu versiegeln. Der Zitzenversiegler wird in die Zitzenzisterne hinein gegeben und verschlie├čt die innere Strichkanal├Âffnung bis zum erstmaligen Melken nach dem Abkalben. Der Zitzenversiegler kann als alleiniger Schutz vor Neuinfektionen bei eutergesunden Tieren eingesetzt oder mit einem antibiotischen Trockensteller kombiniert werden.

Die Trockenstellvorbeugung und Therapie muss zusammen mit der Hoftier├Ąrztin oder dem Hoftierarzt entsprechend dem Leitkeim in der Herde festgelegt werden.