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Afrikanische Schweinepest bedroht auch Deutschlands Schweinebestände

Afrikanische Schweinepest bedroht auch Deutschlands Schweinebestände

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine f√ľr Wild- und Hausschweine hochansteckende Tierseuche. F√ľr die Gesundheit des Menschen und andere Haustiere stellt sie keine Gefahr dar ‚Äď gef√ľrchtet sind vor allem die wirtschaftlichen Folgen.

Was ist die Afrikanische Schweinepest f√ľr eine Erkrankung?

Die Afrikanische Schweinepest kommt aus dem s√ľdlichen Afrika: In vielen L√§ndern s√ľdlich der Sahara ist sie weit verbreitet. Seit 2014 breitet sich die Afrikanische Schweinepest in Europa und Asien aus. Sie wurde in Belgien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rum√§nien, Serbien, der Slowakei, der Ukraine, Ungarn, Russland und in elf asiatischen L√§ndern (China, Indonesien, Laos, Kambodscha, Mongolei, Myanmar, Nordkorea, Ost-Timor, Philippinen, S√ľdkorea und Vietnam) nachgewiesen. Das gr√∂√üte Risiko f√ľr eine Einschleppung nach Deutschland besteht derzeit von Westpolen aus. Hier wurde der Kadaver eines mit ASP-infizierten Wildschweins nur etwa zw√∂lf Kilometer entfernt von der deutsch-polnischen Grenze gefunden (Stand: Januar 2020).

Im Jahr 2019 gab es im Baltikum, Belgien, Bulgarien, Polen, Rum√§nien, Serbien, der Slowakei, der Ukraine und Ungarn 1.911 ASP-F√§lle bei Hausschweinen und 6.361 ASP-F√§lle bei Wildschweinen. Weitere Daten zu den Ausbruchszahlen finden Sie beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut f√ľr Tiergesundheit.

Es gibt zwei Arten von Schweinepest: die Klassische Schweinepest (KSP) und die Afrikanische Schweinepest (ASP). Beide haben sehr √§hnliche Krankheitserscheinungen. Anders als die Klassische Schweinepest ist die Afrikanische Schweinepest noch nie in Deutschland aufgetreten. Beide Krankheiten sind unheilbar und geh√∂ren zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen, bei denen Tierhalterin und Tierhalter sowie Tierbetreuerin und Tierbetreuer verpflichtet sind, einen Seuchenverdacht dem zust√§ndigen Veterin√§ramt zu melden. F√ľr den Menschen stellen sie keine Gefahr dar.

Wie sind die Krankheitserscheinungen?

Zwei bis 15 Tage nach der Ansteckung zeigen sich Krankheitserscheinungen. Infizierte Schweine haben zunächst hohes Fieber (bis 42 Grad Celsius), später können Bewegungsstörungen wie ein schwankender Gang, Fressunlust, Durchfall und Blutungen (Hautblutungen, Nasenbluten, blutiger Durchfall) auftreten. Die betroffenen Schweine können Schwäche, Mattigkeit, Desorientierung und Atemprobleme zeigen. Schwer erkrankte Wildschweine haben manchmal eine verringerte Fluchtbereitschaft, sie bleiben beispielsweise in der Suhle liegen.

90 Prozent der erkrankten Tiere sterben an der Afrikanischen Schweinepest, in der Regel innerhalb einer Woche. Es gibt aber auch kaum sichtbare Krankheitsverläufe, die mildere unspezifische Krankheitserscheinungen zeigen und bei denen die Hautblutungen in der Regel fehlen. Fieber ist ein Leitsymptom, meist sind mehrere Tiere betroffen, es kommt zu plötzlichen Todesfällen und hohen Saugferkelverlusten.

Wie wird die Seuche √ľbertragen?

Schweine k√∂nnen sich mit der Afrikanischen Schweinepest im direkten Kontakt mit Wild- oder Hausschweinen anstecken oder √ľber kontaminierte Gegenst√§nde, Speisereste und Fleischprodukte. Indirekte √úbertragungswege sind beispielsweise Fahrzeuge (besonders Viehtransporter), Jagdausr√ľstungsgegenst√§nde, Ger√§te, Maschinen, Bekleidung und Schuhe. Eine Tr√∂pfcheninfektion √ľber die Luft, wie bei einer Erk√§ltung beim Menschen, ist nicht m√∂glich.

Die gr√∂√üte Bedrohung f√ľr eine Einschleppung geht von kontaminierten Speiseresten aus. Schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbr√∂tchen kann von Wildschweinen gefressen werden und die Seuche nach Deutschland bringen. Besonders Fernfahrer aus den betroffenen L√§ndern in Osteuropa und dem Baltikum, aber auch Reisende k√∂nnen damit zur Infektionsquelle werden. Das Bundesministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft hat Anfang August 2017 eine Aufkl√§rungskampagne an Autobahnrastst√§tten und Parkpl√§tzen gestartet. In 11 Bundesl√§ndern wurden Warnplakate in mehreren Sprachen aufgeh√§ngt, die dazu aufrufen, Speisreste nur in verschlossene M√ľlleimer zu entsorgen. Das Bundesamt f√ľr G√ľterverkehr verteilt bei seinen Kontrollen Handzettel an LKW-Fahrer.

Was passiert bei einem Seuchenfall?

Was nach einem Seuchenfall passiert, ist festgelegt in der ‚ÄěVerordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest‚Äú. Es wird unterschieden, ob die Afrikanische Schweinepest bei einem Hausschwein oder einem Wildschwein festgestellt wird.

Hausschwein:

Wird die Seuche in einem landwirtschaftlichen Betrieb festgestellt, werden alle Schweine sofort get√∂tet und unsch√§dlich beseitigt. Danach wird der Betrieb gr√ľndlich gereinigt und desinfiziert. Um den Betrieb werden zwei Schutzzonen errichtet. Die erste ist das Sperrgebiet und hat einen Radius von mindestens drei Kilometern. Die genaue Gr√∂√üe bestimmt das zust√§ndige Veterin√§ramt und richtet sich unter anderem nach dem Seuchengeschehen, Wildschweindichte, Struktur der Schweinehaltung, Tierverkehr, Schlachth√∂fen, Landschaft und nat√ľrlichen Grenzen. Die Veterin√§rbeh√∂rde bestimmt auch, in welchem Radius um den Betrieb alle Hausschweine gekeult werden. Dabei ist von einem Mindestradius von 500 Metern auszugehen. Gekeult werden auch die Tiere in Kontaktbetrieben (von denen beispielsweise Ferkel zugekauft wurden). Die anderen Schweine im Sperrbezirk werden tier√§rztlich untersucht.

Die zweite Zone um den Betrieb ist eine gro√üfl√§chige Beobachtungszone. Im Sperrgebiet und in der Beobachtungszone besteht ein Transportverbot f√ľr Schweine, die k√ľnstliche Besamung ist verboten und der Transport anderer Haustiere bedarf der Genehmigung. Die Restriktionen werden im Sperrgebiet fr√ľhestens 40 Tage nach Reinigung und Desinfektion des Seuchenbetriebes aufgehoben, wenn in dieser Zeit kein weiterer Seuchenfall aufgetreten ist. In der Beobachtungszone ist ein Transport fr√ľhestens nach 30 Tagen m√∂glich.

Wildschwein:

Tritt bei einem Wildschwein die Afrikanische Schweinepest auf, wird ein gefährdeter Bezirk in einem Radius von mindestens 15 Kilometern um die Fundstelle eingerichtet. Um den gefährdeten Bezirk kommt noch mal eine Pufferzone mit etwa dem doppelten Radius des ersten Ringes.

Im gef√§hrdeten Bezirk kann die Freiland- und Auslaufhaltung mit Auflagen belegt oder verboten werden, Schweine d√ľrfen weder hinein- noch heraustransportiert werden. Aus dem gef√§hrdeten Bezirk d√ľrfen Gras, Heu und Stroh nicht an andere schweinehaltenden Betriebe geliefert werden. Hunde m√ľssen angeleint werden. F√ľr etwa drei Wochen besteht im inneren Ring um die Fundstelle Jagdruhe. Es wird intensiv nach toten Wildschweinen gesucht und die lebenden Wildschweine werden beobachtet. In der Pufferzone wird die Wildschweinpopulation m√∂glichst vollst√§ndig erlegt. Von jedem tot aufgefundenen und erlegten Wildschwein werden Proben gezogen und auf ASP untersucht.

Viele Landwirtinnen und Landwirte und auch Tier√§rztinnen und Tier√§rzte k√∂nnen sich noch gut an die verheerenden Seuchenz√ľge der Klassischen Schweinepest erinnern. Allein zwischen 1993 und 2002 mussten in Europa √ľber 15 Millionen Schweine get√∂tet werden. Der letzte Seuchenfall ereignete sich 2006 im Kreis Borken in Nordrhein-Westfallen, wo ca. 92.000 Schweine in 185 Betrieben vorsorglich get√∂tet wurden.

Welche finanziellen Schäden entstehen den betroffenen Betrieben?

Insgesamt sind alle schweinehaltenden Betriebe betroffen, weil der Schweinemarkt nach einem Seuchenfall einbrechen wird. Deutschland als Exportnation w√ľrden die massiven Handelsbeschr√§nkungen sehr treffen. Im Jahr 2016 betrug der Wert der Ausfuhren an Schweinefleisch mehr als 6,2 Milliarden Euro, der Selbstversorgungsgrad lag bei 121 Prozent. Die inl√§ndische Nachfrage nach Schweinefleisch ist seit 1996 um rund 20 Prozent zur√ľckgegangen. Bei einem Seuchenfall w√ľrde sie einbrechen und die Schweinepreise massiv sinken.

Werden Schweine auf beh√∂rdliche Anordnung gekeult, ersetzt die Tierseuchenkasse den Nettomarktpreis des Tieres (max. 1.500 Euro pro Schwein). Voraussetzung daf√ľr ist, dass

  • die richtigen Tierzahlen bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind,
  • die Meldungen an das Herkunftssicherungs- und Informationssystem f√ľr Tiere vollst√§ndig sind,
  • die Bestimmungen der Schweinehaltungshygieneverordnung eingehalten wurden.

Ansonsten k√∂nnen die Entsch√§digungsleistungen erheblich gek√ľrzt oder ganz gestrichen werden. Es gibt auch Zusch√ľsse f√ľr die Reinigung und Desinfektion. Aber die Sch√§den sind wesentlich h√∂her: Durch die restriktiven Handelsbeschr√§nkungen kann erst mal kein Tier verkauft werden. Besonders in Ferkelerzeugungsbetrieben kann der Platz sehr schnell knapp werden. Mastschweine wachsen aus allen Vermarktungsnormen heraus und k√∂nnen sp√§ter nur noch mit erheblichen Preisabschl√§gen vermarktet werden. Wenn die Sperrungen nach Wochen bis Monaten aufgehoben werden, dauert es noch eine ganze Weile, bis die Produktion wieder im vollen Gange ist.

Aufgrund der gro√üen wirtschaftlichen Gefahren, die von der ASP ausgehen, griff unter anderem D√§nemark zu besonderen Ma√ünahmen: So wurde ein 70 Kilometer langer Wildschutzzaun zwischen Deutschland und D√§nemark errichtet, um das √úbersiedeln von Wildschweinen nach D√§nemark zu verhindern. Dieser Zaun ist 1,5 Meter hoch und 50 Zentimeter tief in der Erde verankert. D√§nemark exportiert j√§hrlich Schweinefleischprodukte im Wert von mehr als vier Milliarden Euro. Bereits ein infiziertes Wildschwein k√∂nnte dazu f√ľhren, dass der Fleischexport in wichtige Drittl√§nder gesperrt wird.

Im Dezember 2019 wurden auch in Deutschland erste Zaunanlagen an der Grenze zwischen Brandenburg und Polen gebaut. Auch das Bundesland Sachsen plant den Bau eines Schutzzaunes an der polnischen Grenze (Stand: Januar 2020).

Lohnt sich eine Ertragsausfallversicherung?

Bei einem Seuchenfall kann sehr schnell die Existenz des Betriebes auf dem Spiel stehen, besonders f√ľr Betriebe mit viel Fremdkapital, hohen Pachten und L√∂hnen sowie ohne weitere Betriebszweige. Die Ertragsausf√§lle sind in der Ferkelerzeugung h√∂her als in der Schweinemast.

Die Versicherung ist kostspielig: Größere Betreibe zahlen schnell mehrere tausend Euro im Jahr. Eine private Ertragsausfallversicherung ersetzt die Ertragseinbußen des Betriebes nach entgangenem Deckungsbeitrag. Die Schadensberechnung erfolgt durch einen Gutachter der Versicherung. Es lohnt sich, die Angebote der unterschiedlichen Versicherungen zu vergleichen. Achtung: Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest tritt ein Versicherungsschutz meist erst nach einer Wartezeit von drei Monaten ein.

Ist eine Impfung möglich?

Anders als bei der Klassischen Schweinepest gibt es f√ľr die Afrikanische Schweinepest keinen Impfstoff.

F√ľr die Klassische Schweinepest ist es gelungen, einen sogenannten Markerimpfstoff zu entwickeln. Damit kann man erkennen, ob die Antik√∂rper aufgrund einer nat√ľrlichen Infektion oder einer Impfung gebildet wurden. Geimpfte Schweine und kranke Tiere lassen sich so sicher auseinanderhalten. Es k√∂nnte auf Keulungen verzichtet werden, wenn direkt nach einem Seuchenfall die Schweine in einem gewissen Radius um den betroffenen Betrieb notgeimpft werden k√∂nnten. Solche Impfungen sind in der Schweinepestverordnung jedoch nicht vorgesehen. Au√üerdem gibt es Vorbehalte des Handels gegen geimpfte Tiere. Landwirte k√∂nnen ihre notgeimpften Schweine nur mit Mindererl√∂sen vermarkten.

Was können Tierhalter vorbeugend tun?

Den eigenen Tierbestand sorgf√§ltig beobachten: Bei hohen Saugferkelverlusten, geh√§uften Vorkommen von K√ľmmerern, pl√∂tzlichen Todesf√§llen im Bestand und auff√§lligen Tieren (siehe Krankheitsanzeichen) unverz√ľglich die Hoftier√§rztin oder den Hoftierarzt hinzuziehen.

Alle Vorschriften der Schweinehaltungshygieneverordnung m√ľssen besonders sorgf√§ltig beachtet werden. Hobbyhalterinnen und -halter sollten √ľber die Afrikanische Schweinepest informiert werden, denn f√ľr diese gilt die Schweinehaltungshygieneverordnung nicht.

 

Seiten-Titel: Schweinehaltung in Deutschland

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