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Tier

Einsatz der Immunokastration international

Einsatz der Immunokastration international

Die Verbreitung der Immunokastration zur Unterdrückung des Geschlechtsgeruchs bei Ebern hat eine hohe Schwankungsbreite in Europa. Dabei spielen Traditionen ebenso eine Rolle wie Vorbehalte von Seiten der fleischverarbeitenden Industrie. Vorreiter in Sachen Impfung gegen Ebergeruch in Europa ist Belgien.

Die Immunokastration von Ebern wurde vor über 30 Jahren in Australien entwickelt und ist dort seit 1998 als Impfung gegen den Ebergeruch zugelassen. Gegenwärtig ist sie in mehr als 60 Ländern weltweit zugelassen, in der EU besteht die Impfzulassung seit 2009. Von vielen wissenschaftlichen Institutionen, Tierärzte- und Tierschutzverbänden wird die Immunokastration auch in Deutschland als tierschonende und wirtschaftliche Alternative zur chirurgischen Kastration gesehen. Von einigen exportorientierten Schlachtunternehmen wird die Immunokastration mit der Begründung abgelehnt, dass asiatische Länder Fleisch von geimpften Tieren ablehnen würden. Derzeit läuft das Projekt „100.000-Improvac-Tiere“ mit großen deutschen Schlachtunternehmen, das 2019 von den vier Landesbauernverbänden Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angestoßen wurde. Im Jahr 2020 will das Unternehmen Zoetis als Hersteller des verwendeten Impfstoffes eine Zahl von 1,7 Mio. geimpften Ebern erreichen, was etwa 10 Prozent des deutschen Marktes entspricht.

Einsatz der Immunokastration in Europa

Vorreiter in Europa bei der Immunokastration ist Belgien. Hier werden knapp 20 Prozent aller Eber geimpft. Die großen Handelsketten im Land fordern den Verzicht auf die betäubungslose Kastration, viele akzeptieren nur Schweinefleisch von nicht chirurgisch kastrierten Tieren. Der Lebensmitteleinzelhandel hat die Immunokastration gezielt unterstützt, was für eine Verbreitung dieser Methode sorgte. Der größte belgische Einzelhändler - mit einem Marktanteil von 30 Prozent - akzeptiert nur Fleisch von gegen Ebergeruch geimpften Tieren. Deswegen ist der Anteil an Immunokastraten auf dem Inlandsmarkt sehr hoch. Eine weitere verbreitete Alternative in Belgien ist die Ebermast. Inzwischen 40 bis 50 Prozent aller belgischen Eber als Jungeber oder Immunokastraten gemästet. Eber, deren Fleisch später ins Ausland vermarktet werden soll, werden dagegen weiterhin chirurgisch kastriert, überwiegend unter Einsatz von postoperativ wirksamen Schmerzmitteln. 

In den Niederlanden ist der Anteil der mit dem Ebergeruch-Impfstoff behandelten Schweine sehr gering, da die größte Schlachthofkette im Land diese Tiere ablehnt. Die Ebermast ist zumindest für den Inlandsmarkt sehr verbreitet. Dieser umfasst ca. 20 Prozent der Gesamtproduktion. Die Mehrheit der niederländischen Schweine wird jedoch exportiert und fast alle von ihnen werden weiter kastriert, hauptsächlich unter CO2-Anästhesie. Weitere 15 bis 20 Prozent der Jungeber werden nach Großbritannien vermarktet, wo ebenfalls die Ebermast vorherrscht. 

In Dänemark herrscht weiterhin die chirurgische Kastration vor, unter anderem auch deshalb, weil das Land einen hohen Anteil an Export-Ferkeln hat und mit dieser Methode variabel in der Vermarktung bleibt. Die Kastration mit örtlicher Schmerzausschaltung und postoperativ wirkenden Schmerzmitteln ist vorgeschrieben. Immunokastration ist in Dänemark bisher nicht verbreitet. 

Obwohl auch in Italien viele Untersuchungen zu Alternativen zur betäubungslosen chirurgischen Kastration durchgeführt worden sind, ist diese nach wie vor vorherrschend. Ein Grund dafür ist die Verarbeitung schwerer Schweine. Die Herstellung von DOP-Produkten (Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichnung) wie zum Beispiel Parma-Schinken verlangt Tiere mit 140 kg Lebendgewicht. Durch den Verbleib der Hoden bei Ebern und Immunokastraten ist die typische Schnittführung bei Parma-Schinken erschwert. 

In der Schweiz ist die betäubungslose chirurgische Kastration schon seit zehn Jahren verboten. Dort ist die Inhalationsnarkose mit Isofluran verbreitet. Gleichwohl empfiehlt die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) die Immunokastration als tierfreundlicheres Verfahren.

In Norwegen ist die betäubungslose Kastration seit 2002 verboten. Die chirurgische Kastration wird unter Schmerzlinderung mit örtlicher Betäubung durchgeführt. Jungebermast und Immunokastration werden wenig praktiziert. 2015 stimmte die Fleischindustrie gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium einen Plan ab, den Einsatz von Improvac auf 10 Prozent zu erhöhen, der aber nicht umgesetzt wurde. Nach einem Anstieg im Jahr 2017 ging der Anteil Immunokastration wieder zurück. Als Gründe werden mangelnde Information und Anreize für die Landwirte und der teure Test angeführt, der in Norwegen verwendet wird. Seit 2016 noch bis Ende 2020 läuft in Norwegen das Forschungsprojekt „Boar PPM“. Es untersucht die Meinungen der Verbraucher sowie die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs und zielt darauf ab, eine neue Methode für die Erfassung von Ebergeruch am Schlachtband zu entwickeln. 

In Schweden dürfen die Landwirte seit 2016 die Eberferkel lokal betäuben. Die Kastration unter lokaler Betäubung und Schmerzlinderung hat sich dort durchgesetzt. Von Tierschutzorganisationen wird diese Methode mitgetragen, das schwedische Tierschutzgesetz wurde daraufhin geändert. 

In Österreich überwiegt weiterhin die chirurgische Kastration. Die Schmerzlinderung ist nach der überarbeiteten Tierhaltungsverordnung vorgeschrieben. Immunokastration hat keinen nennenswerten Anteil. 

In Spanien und Portugal werden die Eber mit einem geringeren Schlachtgewicht als in Deutschland geschlachtet. Die Mehrheit der Schweine wird nicht kastriert, die Ebermast ist schon länger verbreitet und ihr Anteil beträgt etwa 90 Prozent. Traditionell werden aber zum Beispiel die Eber lokaler Rassen kastriert, die den "Iberico-Schinken" liefern, der auch in andere Länder exportiert wird. Hier bestehen oft Vorurteile gegen die Immunokastration für die Verarbeitung und den Export. Der Anteil Immunokastraten ist daher niedrig und bewegt sich unter 5 Prozent aller Eber. Es gibt jedoch einen wachsenden Anteil weiblicher Iberico-Schweine (> 10Prozent), die mit demselben Impfstoff, der in Spanien unter dem Namen Vacsincel zugelassen ist, behandelt werden. Bisher wurden diese Tiere meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass die freilaufenden Sauen von Wildschweinen gedeckt werden. Es gibt einige private Landwirte-Initiativen mit dem Ziel, die chirurgische Kastration für traditionelle Produkte komplett zu beenden und auf Immunokastration umzusteigen. Der Lebensmitteleinzelhandel hat jedoch bisher kein Interesse daran gezeigt, sich an den Aktivitäten zu beteiligen. 

Auch in Großbritannien und Irland werden die Jungeber jünger und noch vor der Geschlechtsreife und mit niedrigerem Gewicht als in Deutschland geschlachtet. Das Schlachtgewicht beträgt dort etwa 75 kg, so dass der Ebergeruch kaum ein Problem darstellt. Die Jungebermast ist am verbreitetsten, Immunokastration kommt kaum vor. 

Überhaupt keine Verbreitung hat die Immunokastration bisher in osteuropäischen Ländern wie Tschechien, Slowakei oder Ungarn. Dort wird bisher ohne Betäubung oder Schmerzlinderung chirurgisch kastriert. In Polen wird dagegen ein wachsender Anteil der Schweine mit dem Ebergeruch-Impfstoff geimpft. Dies geschieht hauptsächlich in den größeren vertikal integrierten Ketten des Landes. 

In Island werden die Schweineproduzenten von einer kleinen, aktiven Gruppe von Tierärzten in der Immunokastration unterstützt, so dass der Anteil der gegen Ebergeruch geimpften Tiere fast 100 Prozent beträgt.  

In Griechenland und Zypern beträgt der Anteil Immunokastraten gut 10 Prozent. Einige Schweineproduzenten haben die Impfung getestet und sehen sie als wirtschaftliche und qualitativ gute Lösung an.

Zulassung von Improvac:

  • In 64 Länder weltweit zugelassen
  • vor 2005: Australien, Neuseeland
  • 2005-2008: Argentinien, Chile, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Korea, Mexico, Nicaragua, Panama, Peru, Philippinen, Russland, Südafrika, Schweiz, Thailand, Venezuela, Vietnam
  • 2009/2010: Belgien, Bulgarien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Japan, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxembourg, Malaysia, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Uruguay, Zypern 
  • 2011: USA, Kanada, Dominikanische Republik, Ukraine, Serbien
  • 2013 Bolivien
  • Mittlerweile ist die Impfung gegen Geschlechtsgeruch in nahezu allen Ländern mit nennenswerter Schweineproduktion zugelassen.

Immunokastration weltweit

Die Impfung gegen Ebergeruch ist vor über 30 Jahren in Australien entwickelt und 1998 dort zugelassen worden. Dort wurde der Wechsel von der Kastration zur Ebermast schon früh vollzogen. Inzwischen werden etwa 60 Prozent der Eber geimpft, der andere Teil als Jungeber aufgezogen. Australien exportiert unter anderem Schweinefleisch, auch von Immunokastraten, nach Asien, z. B. nach Hong Kong, Südkorea, Singapur und Japan. 

Brasilien hat einen sehr hohen Anteil geimpfter Tiere von etwa 80 Prozent. Hier wird seit über zehn Jahren gegen Ebergeruch geimpft. Der hohe Anteil ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die großen Integrationen dieses Verfahren verwenden. Auch Brasilien exportiert Fleisch von Immunokastraten in asiatische Länder wie Hong Kong, China und Singapur. Anders als in Australien werden in Brasilien die Schlachtkörper auf Ebergeruch untersucht. 

In den USA nutzt eine der größten Schweine-Integrationen der Welt die Immunokastration von Ebern und ist gleichzeitig ein großer Exporteur von Schweinefleisch nach China.  

In Kanada werden etwa 20 Prozent aller Eber geimpft. 

In Kolumbien ist die Immunokastration über alle Betriebe, auch die kleineren, sehr verbreitet. Der Anteil gegen Geschlechtsgeruch geimpfter Eber beträgt inzwischen 80 Prozent. Traditionell wurden hier Jungeber mit niedrigem Schlachtgewicht gemästet. Durch die Immunokastration können die männlichen Tiere jetzt auf höhere Gewichte gemästet werden.  

Der Anteil geimpfter Eber beläuft sich in Chile auf etwa 10 Prozent. Dort sind es vor allem die größeren Integrationen am Schweinemarkt, die auf die Immunokastration setzen. 

In Thailand beträgt der Anteil Immunokastraten etwa 15 Prozent. Auch hier sind es überwiegend die großen Integrationen, die die Impfung einsetzen.

Letzte Aktualisierung 28.05.2020

Seiten-Titel: Jungebermast mit Immunokastration

Seiten-Beschreibung:

Bei der Immunokastration wird die Entstehung des Ebergeruchs durch eine Impfung unterdrückt. Sie hat sich seit über 20 Jahren in der Praxis bewährt.

Seiten-Titel: Informationsveranstaltungen und Sachkundelehrgänge

Seiten-Beschreibung:

Im Rahmen von Informationsveranstaltungen können Landwirte/-innen sich über die vier Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration informieren. Auch die Sachkundelehrgänge zur Isoflurannarkose laufen an.

Seiten-Titel: Die Alternativen im Überblick

Seiten-Beschreibung:

Derzeit gibt es vier zulässige Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration: die Jungebermast, die Jungebermast mit Immunokastration, sowie die chirurgische Kastration unter Inhalationsnarkose oder Injektinsnarkose.