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Tier

Wirtschaftlichkeit der Jungebermast

Wirtschaftlichkeit in der Jungebermast

Das Thünen-Institut analysierte die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Mast von Jungebern als eine der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration.

Unter den Alternativen zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln kann die Mast von Jungebern für einige landwirtschaftliche Betriebe praktikabel sein, wenn sie entsprechende Strategien in Züchtung, Fütterung und Haltung berücksichtigen.  Aus wirtschaftlicher Sicht liegt die Jungebermast nach der Immunokastration auf Rang zwei.

Die in diesem Artikel dargestellten Ergebnisse beruhen auf dem Thünen Working Paper 110 zur „Wirtschaftlichkeit der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration – Aktualisierung und Erweiterung der betriebswirtschaftlichen Berechnungen“ aus dem Jahr 2019.

Zunächst wurde eine Referenzsituation definiert. Sie basiert auf den Daten von neun typischen schweinehaltenden Betrieben aus den wichtigsten Regionen Deutschlands. Diese Betriebe wenden die derzeit übliche betäubungslose Kastration männlicher Ferkel mit postoperativer Schmerzbehandlung an und spiegeln den Stand der guten landwirtschaftlichen Praxis wider. Die Betriebe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bestandsgrößen und ihrer Produktionsrichtungen (spezialisierte Ferkelproduktion bzw. Schweinemast) voneinander. Die Eigenschaften dieses Querschnitts der deutschen Schweineproduktion sind in Tabelle 1 und 2 zusammengefasst. Sie beziehen sich auf das Kalenderjahr 2017 und stammen aus dem Netzwerk agri benchmark Pig.

Tabelle 1 Kennzahlen der Referenzbetriebe der Sauenhaltung

Tabelle 2 Kennzahlen der Referenzbetriebe der Schweinemast

Anmerkung: Die angegebenen Betriebsnamen setzen sich wie folgt zusammen: Land_Zahl der produktiven Sauen_Zahl der verkauften Mastschweine je Jahr.

Auf Grundlage dieser Referenzsituation werden die Veränderungen durch die Umstellung auf Jungebermast analysiert. Die Betriebszweige Sauenhaltung und Schweinemast werden dabei getrennt voneinander betrachtet. Für die Mastbetriebe wird jeweils die Jungebermast mit und ohne Investitionen durchgerechnet.

Broschüre: Broschüre: Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration
Dokumenttyp: PDF Dokumentgröße: 2 MB

Broschüre Beschreibung:

Schweinehaltende Betriebe müssen ab dem 1. Januar 2021 eine der vier zur Verfügung stehenden Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration anwenden. Die 40-seitige Broschüre informiert über Vor- und Nachteile der Alternativmethoden, erläutert die betrieblichen Voraussetzungen und bewertet sie ökonomisch.

Auswirkungen auf Ferkelerzeuger marginal

Die Auswirkungen der Umstellung auf Jungebermast sind für die Ferkelerzeuger marginal. Der Verzicht auf die Kastration und Verkauf von intakten Eberferkeln an die Mäster führt zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Sauenhalter (siehe Tabelle 3).

Die Ferkelverluste während der Säugezeit und Aufzucht unterscheiden sich kaum: Während der Säugezeit sind die Ferkelverluste bei unkastrierter männlicher Ferkel marginal niedriger, in der Aufzucht sie marginal höher. Aufgrund der gleichen Rahmenbedingungen entsprechen die Ferkelverluste denen der Jungebermast mit Immunokastration.

Sauenhalter müssen einen zusätzlichen Zeitaufwand von 0,37 Minuten pro männlichem Ferkel für die Ferkelselektion einplanen. Da die Kastration jedoch entfällt, was einer Zeitersparnis von 0,95 Minuten pro männlichem Ferkel entspricht, ergibt sich insgesamt ein geringerer Arbeitszeitbedarf als in der Referenzsituation. Auch die Werte für den Arbeitszeitbedarf der Ferkelerzeuger entsprechen denen der Jungebermast mit Immunokastration.

Tabelle 3 Auswirkungen der Jungebermast auf Ferkelerzeuger

Prozessänderungen in der Schweinemast

Für die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Jungebermast wurde angenommen, dass die Anzahl der Durchgänge pro Jahr aufgrund der verkürzten Mastdauer erhöht werden kann. Das Mastendgewicht liegt bei 115 kg Lebendgewicht, um den Anteil geruchsauffälliger Tiere bei durchschnittlich 3,5 Prozent zu halten. Es wird angenommen, dass zusätzlicher Tiere zugekauft werden, wenn diese aufgrund der höheren Anzahl der Durchgänge benötigt werden.

Die Verluste liegen bei der Jungebermast im Vergleich zu herkömmlichen Schweinemast geringfügig höher. Dies ist auf das unruhigere Gruppenverhalten der Jungeber zurückzuführen und äußert sich in Rangordnungskämpfen und höherer Aggressivität. Die Futterverwertung und die durchschnittlichen Tageszunahmen liegen aufgrund des höheren Leistungspotenzials der Jungeber über denjenigen in der Referenzsituation. Aufgrund des begrenzten Futteraufnahmevermögens sollten intakte Eber ad libitum gefüttert werden. Die Ausschlachtung der Jungeber liegt durchschnittlich knapp 1,6 Prozentpunkte unter der der Referenzsituation, bei gleichzeitig um 3 Prozentpunkte erhöhtem Magerfleischanteil. Der Arbeitszeitbedarf je Tier ist in der Jungebermast etwas höher als bei Kastraten. Aufgrund der verkürzten Mastdauer sinkt jedoch der Gesamtarbeitszeitbedarf, den ein Jungeber während der Mast beansprucht. Sind zusätzliche Investitionen in die Fütterungstechnik notwendig werden Kosten in Höhe von 25 EUR je Mastplatz und Jahr veranschlagt. Die Daten sich in Tabelle 4 zusammengefasst.

Tabelle 4 Prozessänderungen in der Jungebermast

Jungebermast mittelfristig rentabel

Die Umstellung der herkömmlichen Mastschweinehaltung auf Jungebermast führt zu geringfügigen Mehrkosten. Das liegt an der höheren Anzahl von Mastdurchgängen im Jahr, bedingt durch die geringere Mastdauer, und den damit einhergehenden gesteigerten Futterkosten. Die Erhöhung der Durchgänge und die damit verbundene größere Anzahl aufgezogener Tiere führen zu Mehrerlösen und verbessert das Betriebseinkommen.

Alle im Bericht betrachteten Betriebe sind mit der Jungebermast mittelfristig genauso rentabel wie in der Referenzsituation. Das Wirtschaftlichkeitsniveau zwischen den Betrieben unterscheidet sich jedoch erheblich. Das liegt unter anderem an der (unterschiedlichen) Kombination mit anderen Betriebszweigen (vor allem Ackerbau) und lässt sich nicht allein auf die Schweinemast zurückführen. Tabelle 5 zeigt Gewinn und Gewinnänderungen in der Schweinemast (Referenzsituation versus Jungebermast).

Tabelle 5 Gewinn und Gewinnänderungen in der Schweinemast in Euro und Prozent

Die Jungebermast kann sich unterschiedlich auf den Betriebsgewinn auswirken. Die Spanne reicht beispielsweise ohne Investitionen von einer Gewinnsteigerung von 40 Prozent bis hin zu einer Verschlechterung des Betriebsergebnisses um knapp 6 Prozent. Vor allem die Ebermaske als separates Abrechnungssystem für Eber wirkt sich negativ auf das Betriebsergebnis aus. Auch notwendige zusätzliche Investitionen verschlechtern das Ergebnis der Jungebermast grundsätzlich. Die langfristige Wirtschaftlichkeit je 100 kg Schlachtgewicht verbessert sich auf den betrachteten Betrieben größtenteils (siehe Tabelle 6).

Tabelle 6 Veränderung der langfristigen Wirtschaftlichkeit der Jungebermast im Vergleich zur Referenzsituation in Euro pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht

Variation der Prozessparameter und deren Auswirkung

Die Autoren untersuchten auch die Auswirkung der Veränderung einiger Prozessparameter und verglichen diese Auswirkungen mit dem im Vorherigen angenommenen Grundszenario (Endgewicht der Eber 115 kg Lebendgewicht, Erhöhung der Durchgänge). Für das Grundszenario sowie die Variationsrechnungen wurde berechnet, wie viel Mehrerlös in Euro pro 100 kg Schlachtgewicht erwirtschaftet werden muss, um die Werte der Referenzsituation (betäubungslose Ferkelkastration mit postoperativer Schmerzbehandlung) zu erreichen (siehe Tabelle 7). Negative Werte stehen dabei für eine bessere Wirtschaftlichkeit als in der Referenzsituation, positive Werte für eine schlechtere.

Die weitere Reduktion des Schlachtgewichts der Eber zur Verringerung des Auftretens von Ebergeruch von 115 kg Lebendgewicht auf 110 kg führt zu einer Verschlechterung der Ergebnisse (Variationsrechnung 1 = VR1). Ohne Erhöhung der Durchgänge und bei gleicher Mastdauer von Ebern und Sauen verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit. Dies gilt sowohl bei einem Endgewicht von bis zu 123 kg Lebendgewicht für Sauen und Eber als auch bei 115 kg, wobei das geringere Endgewicht schlechter abschneidet (VR 2). Bei optimaler Auslastung der Mastplätze mit angepasster Mastdauer für Sauen und Eber, einem höheren Anteil von Sauen und Erhöhung der Durchgänge liegen die Ergebnisse nah bei denen des Grundszenarios (VR3).

Tabelle 7 Variationsrechnungen zum erforderlichen Mehrerlös zur Erreichung der Referenzsituation in Euro je 100 Kilogramm Schlachtgewicht

Schlussfolgerungen

1. Unter den Alternativen der betäubungslosen Ferkelkastration schneiden die Verfahren Immunokastration und Jungebermast trotz Eberpreismaske aus wirtschaftlicher Sicht am besten ab.

2. Es bestehen regionale Unterschiede in der Bezahlung, die beachtet werden müssen, wenn der Einstieg in die Ebermast in Betracht gezogen wird.

3. Bei der Erzeugung von Ferkeln für die Jungebermast wird der Sauenhalter entlastet. Gleichzeitig steigen in der Mast die Managementanforderungen und die Ansprüche an eine gezielte Fütterung.

4. Eine getrenntgeschlechtliche Aufstallung ist erforderlich.

Broschüre: Poster: Jungebermast
Dokumenttyp: PDF Dokumentgröße: 915 KB

Broschüre Beschreibung:

Das Poster gibt einen Überblick über die wichtigsten Schritte zur erfolgreichen Umsetzung der Jungebermast als Alternative zur Kastration von männlichen Schweinen.

Quelle

Verhaagh, M. und Deblitz, C. (2019): Thünen Working Paper 110. Wirtschaftlichkeit der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration – Aktualisierung und Erweiterung der betriebswirtschaftlichen Berechnungen (PDF)

Seiten-Titel: Füttern gegen Ebergeruch

Seiten-Beschreibung:

Die Fütterung von Jungebern zielt darauf ab, das Wachstumspotenzial der Tiere voll auszuschöpfen und den Anteil geruchsauffälliger Schlachtkörper so gering wie möglich zu halten. 

Seiten-Titel: Vermarktung von Jungebern

Seiten-Beschreibung:

Jungeber lassen sich schwerer vermarkten als andere Schweine und der Markt scheint gesättigt. Wer in die Ebermast einsteigt, sollte die Vermarktung seiner Tiere geregelt haben.

Seiten-Titel: Betriebsreportage: Jungebermast

Seiten-Beschreibung:

Jungebermast - für Landwirt Martin Knees im schleswig-holsteinischen Örtchen Seth, nur unweit von Bad Oldesloe, ist das kein Buch mit sieben Siegeln. Im Gegenteil: „Ich kann es mir nicht mehr anders und besser vorstellen als es jetzt ist“, sagt Knees.