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Nationaler Aktionsplan Kupierverzicht: Was kommt auf die Schweinehalter zu?

Nationaler Aktionsplan Kupierverzicht: Was kommt auf die Schweinehalter zu?

Der "Nationale Aktionsplan Kupierverzicht" soll das routinem├Ą├čige Kupieren der Schw├Ąnze bei den Ferkeln in Deutschland vermindern.

Das Kupieren von Ferkelschw├Ąnzen ist in der EU nur f├╝r den Einzelfall und mit ausdr├╝cklicher Begr├╝ndung erlaubt. In vielen EU-Mitgliedsl├Ąndern wie auch in Deutschland werden jedoch immer noch routinem├Ą├čig die Schw├Ąnze in den ersten Lebenstagen gek├╝rzt, um sp├Ąteres Tierleid durch Schwanzbei├čen zu verhindern. Neben mehreren anderen L├Ąndern wie Italien, Spanien, D├Ąnemark und den Niederlanden wurde auch Deutschland von der EU-Kommission ├╝berpr├╝ft, ob und wo Anpassungsbedarf bei der Umsetzung von EU-Recht in das jeweilige nationale Recht besteht.

Unerl├Ąsslichkeit des Kupierens muss belegt werden

Im Februar 2018 erfolgte das Audit der EU-Kommission in Deutschland. Die Kommission versch├Ąrfte den Druck auf die Mitgliedsl├Ąnder, den Kupierverzicht voranzubringen und den Anteil von Schweinen mit intaktem Schwanz kontinuierlich zu erh├Âhen. Die deutschen Agrarminister der Bundesl├Ąnder haben im September 2018 einstimmig den "Nationalen Aktionsplan Kupierverzicht" auf den Weg gebracht, der ab 1. Juli 2019 in Kraft treten soll. Dann m├╝ssen die Landwirte die Unerl├Ąsslichkeit des Kupierens bei ihren Schweinen auf einem genau vorgegebenen Weg dokumentieren, indem sie eine "Tierhalter-Erkl├Ąrung zum Nachweis der Unerl├Ąsslichkeit des Kupierens f├╝r alle Schweine im Betrieb" abgeben. Diese Erkl├Ąrung kann nur abgegeben werden, wenn die Tierhalterinnen und Tierhalter zuvor eine Risikoanalyse erstellt haben. Dabei m├╝ssen sie die Schwanz- und Ohrverletzungen im Betrieb erfassen und die Optimierungsma├čnahmen benennen, die sie gegen das Schwanzbei├čen vorgenommen haben.

Mit dem Aktionsplan kommen also erhebliche Auswirkungen auf die schweinehaltenden Betriebe in Deutschland zu. Nordrhein-Westfalen begann als erstes Bundesland mit der Umsetzung des Aktionsplans und hat Ende November 2018 einen Erlass ver├Âffentlicht.

Zwei Optionen m├Âglich

Ferkelerzeuger, die weiterhin kupieren wollen oder M├Ąster, die weiterhin kupierte Schweine einstallen wollen (Option I), m├╝ssen zun├Ąchst eine betriebsindividuelle Risikoanalyse vorlegen. In dieser Risikoanalyse sind die Schwanz- und Ohrverletzungen der letzten 12 Monate bei den kupierten Schweinen zu dokumentieren und dann geeignete Verbesserungsma├čnahmen zu ergreifen.

Nach der gr├╝ndlichen Risikoanalyse mit den Optimierungs-Ma├čnahmen erfolgt dann die Tierhalter-Erkl├Ąrung bei der zust├Ąndigen Beh├Ârde, die f├╝r ein Jahr g├╝ltig ist. Die Beh├Ârde pr├╝ft die Angaben im Rahmen einer Kontrolle. Tritt in einem Betrieb in einem Zeitraum von zwei Jahren immer wieder Schwanzbei├čen auf, hat der Tierhalter, m├Âglichst mit Tierarzt oder Berater, einen schriftlichen Plan zu erstellen, der weitergehende Ma├čnahmen zur Risikominimierung enth├Ąlt, und der zust├Ąndigen Beh├Ârde vorzulegen.

Bei der Option II entscheiden sich die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter in den Kupierverzicht einzusteigen. Ihnen wird die Risikoanalyse ebenfalls empfohlen. Sie m├╝ssen dann eine bestimmte Anzahl Schweine (mindestens ein Prozent der Stallpl├Ątze) mit intakten Schw├Ąnzen halten und die auftretenden Verletzungen bei diesen Tieren dokumentieren. Der Aktionsplan sieht einen Wert von weniger als zwei Prozent verletzter Tiere im Durchschnitt der letzten 12 Monate beim Kupierverzicht vor. Die unkupierten Ferkel m├╝ssen gekennzeichnet sein, z. B. ├╝ber einen farbigen Dorn in der Ohrmarke. Auch bei der Option II m├╝ssen die Tierhalterinnen und Tierhalter ihre Optimierungsma├čnahmen darlegen, eine Tierhalter-Erkl├Ąrung abgeben und werden kontrolliert.

Umfangreiche Risikoanalyse

Zur Risikoanalyse geh├Âren:

  • das Erheben der Schwanz- und Ohrverletzungen
  • das Beurteilen der Risikofaktoren im Betrieb
  • das Auflisten der angebotenen Besch├Ąftigungsm├Âglichkeiten
  • die Dokumentation des Stallklimas
  • die Gesundheit und Fitness der Schweine
  • der Wettbewerb um Ressourcen
  • die Ern├Ąhrung der Schweine
  • die Struktur und Sauberkeit der Bucht

Im Formular f├╝r die Risikoanalyse wird ein r├╝ckwirkender Bemessungszeitraum von 12 Monaten f├╝r die Dokumentation der Verletzungen angesetzt, bei dem mindestens einmal in sechs Monaten die Ohr- und Schwanzverletzungen bei Saugferkeln, Aufzuchtferkeln, Vor- und Endmasttieren erfasst werden. Die Risikoanalyse wird durch den Tierhalter/die Tierhalterin in Zusammenarbeit mit Berater/Beraterin oder Tierarzt/Tier├Ąrztin erstellt. Die Landwirte m├╝ssen aufschreiben, ob sie die Ursachen f├╝r das Schwanzbei├čen ermitteln konnten.

Stallklima, Bestandsbetreuung und Haltung im Check

Bei den Besch├Ąftigungsm├Âglichkeiten wird erfasst, ob die Besch├Ąftigungsmaterialien organisch, essbar/kaubar sind, permanent zur Verf├╝gung stehen oder als regelm├Ą├čige Einzelgabe verabreicht werden. Die Tierhalterinnen und Tierhalter m├╝ssen angeben wie viele Tiere sie nutzen und welche Optimierungsma├čnahmen geplant sind.

In der Rubrik Stallklima wird nachgefragt, ob es in den letzten zw├Âlf Monaten einen Klimacheck vom Fachmann gab und ob es Anzeichen f├╝r Atemwegserkrankungen gab. Der Punkt Gesundheit und Fitness dokumentiert die Fortbildungen der Tierbetreuerinnen und -betreuer zu Tierschutz und Tiergesundheit. Au├čerdem werden die Schlachthof-Befunddaten, die Tierverluste und die Quantit├Ąt und Qualit├Ąt der tier├Ąrztlichen Bestandsbetreuung durch Besuchsprotokolle sowie Labor- und Sektionsbefunde erfasst.

Im "Wettbewerb um Ressourcen" setzt sich der Landwirt mit der Netto-Buchtenfl├Ąche und der Futter- und Wasservorlage auseinander. Wie ist das Tier-Fressplatz-Verh├Ąltnis, gibt es Konkurrenz und Rangk├Ąmpfe beim Fressen, sind die Tiere in den Buchten homogen oder wachsen sie auseinander? Beim Part Ern├Ąhrung wird nach einem Futter-/F├╝tterungscheck sowie Futtermittel- und Tr├Ąnkewasseruntersuchungen in den letzten 12 Monaten gefragt und beim Teil "Struktur und Sauberkeit in der Bucht" schlie├člich nach der Sauberkeit von Bucht und Tieren sowie Strukturierungen als M├Âglichkeit f├╝r Funktionsbereiche.

Aktionsplan tritt zum 1. Juli 2019 in Kraft

Ab dem 1.7.2019 m├╝ssen alle Betriebe, die weiterhin Ferkel kupieren wollen, die Tierhalter-Erkl├Ąrung und die weiteren Dokumentationen zum Nachweis der Unerl├Ąsslichkeit des Kupierens abgeben. Voraussichtlich in zwei Jahren sieht der Aktionsplan Kupierverzicht eine Evaluierung vor. Der Aktionsplan bringt so eine Rechtssicherheit f├╝r die Landwirte in Deutschland sowohl beim Nachweis der Unerl├Ąsslichkeit des Kupierens auf den einzelnen Betrieben als auch bei der M├Âglichkeit der politisch und gesellschaftlich gew├╝nschten Weiterentwicklung des Kupierverzichts.

Seiten-Titel: Schweine mit Ringelschwanz halten

Seiten-Beschreibung:

Wer Schweine mit intaktem Schwanz halten will, muss auf viele Parameter in der Haltung achten. Was k├Ânnen Landwirtinnen und Landwirte also tun, wenn sie zuk├╝nftig auf das K├╝rzen der Ferkelschw├Ąnze verzichten wollen?

Seiten-Titel: Schweinemastst├Ąlle der Zukunft

Seiten-Beschreibung:

├ľkonomie und Rentabilit├Ąt sind nicht alles. Aber wie k├Ânnen Stallsysteme in der Schweinemast in Zukunft gestaltet werden, damit sie tierfreundlich, umweltgerecht und wettbewerbsf├Ąhig sind?