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Bundeszentrum Weidetiere & Wolf

Beweidung und Grünland

Beweidung und Grünland

Bedeutung des Grünlands

Als Grünland werden Flächen mit Pflanzengemeinschaften aus ausdauernden Gräsern, Kräutern und Leguminosen bezeichnet. Diese Pflanzengemeinschaften sind an ihre jeweiligen Standortbedingungen angepasst und stehen im ökologischen Gleichgewicht mit ihrer tierischen Umwelt. Der Begriff Grünland umfasst also viele verschiedene und dabei extrem vielfältige und einzigartige Ökosystemtypen.

Genau diese Vielfalt macht Grünland so wertvoll und erhaltenswert. Denn auf jeder Grünlandfläche kommen standortangepasste Pflanzengemeinschaften mit einem jeweils spezifischen Artenspektrum vor. So bilden sich beispielsweise Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden und Borstgrasrasen als ökologisch wertvolle Grünlandökosysteme.

Geschaffen wurde das Grünland, mit Ausnahme des Salzgrünlandes, durch Waldrodung im Zuge der menschlichen Besiedlung. Heute befindet sich das Grünland fast ausschließlich auf Standorten, die nicht für die Nutzung als Ackerland geeignet sind. Dabei kann es sich um Flächen handeln, die entweder trocken bis sehr trocken oder feucht bis nass oder zeitweilig überschwemmt oder stark steinig oder sehr flachgründig oder sehr hängig sind. Grünland wird als Wiese oder Weide genutzt und unterliegt keiner regelmäßigen Bodenbearbeitung.

Durch Beweidung wird das Grundfutter von den Weidetieren direkt auf der Fläche, also ohne Technikeinsatz, gefressen. Damit erfolgt auf natürliche Art und Weise eine tiergerechte Ernährung und das Weidetier wandelt die für den Menschen nicht essbare Biomasse in die hochwertigen Nahrungsmittel Milch und Fleisch um.

Grünland bleibt nur bei regelmäßiger Nutzung erhalten und schützt dadurch den Boden vor Erosion, speichert Kohlenstoff, schützt das Grundwasser und  bietet vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Menschen bietet das Grünland  Erholungs- und Erlebnisraum sowie Möglichkeiten für die Umweltbildung. In unserer heutigen Kulturlandschaft prägt das Grünland somit die ökologisch wertvollsten Offenlandlebensräume.

Das standörtlich sehr verschiedenartige Grünland mit seinen jeweils spezifischen Pflanzengemeinschaften wird unterschiedlich bewirtschaftet und dadurch die biologische Vielfalt erhalten. Deshalb unterscheidet man vier Grünland-Funktionstypen: Produktives Grünland, Extensives Grünland, Biotopgrünland und halboffene Weidelandschaft.

Landwirtschaftsbetriebe können Flächen zur Bewirtschaftung zur Verfügung haben, die einem oder zu unterschiedlichem Anteil mehreren dieser Grünland-Funktionstypen zugeordnet werden können. Das Beweidungssystem und die Beweidungsintensität hängen dabei vom Grünland-Funktionstyp ab. Durch Beweidung erfolgt auf allen Funktionstypen auch gleichzeitig Landschaftspflege, weil immer spezifische Lebensräume für Pflanzen und Tiere erhalten werden. Die Extensive Beweidung von Pflanzengemeinschaften mit ökologisch besonders schützenswerten Pflanzen- und/oder Tierarten ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz eine sehr wichtige Maßnahme der „erhaltenden Landschaftspflege“.

Wirkungen von Biss, Tritt und Exkrementen der Weidetierarten

Der Verbiss der Pflanzen durch Weidetiere hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Pflanzengemeinschaften im Grünland. Denn nicht alle Pflanzenarten werden zur gleichen Zeit und in gleicher Menge gefressen. So sind auf Weiden die verschiedenen Pflanzenarten in unterschiedlichen Wachstumsphasen anzutreffen. Dieser Vorteil der Beweidung besteht, weil jedes Weidetier selektiv je nach Schmackhaftigkeit und Geruch frisst. Die Pflanzenauslese der Weidetiere ist die Ursache für die spezifische Artenvielfalt der Weiden.

Dabei beeinflusst die Anatomie und das Fressverhalten der einzelnen Weidetierarten die Artenzusammensetzung der Pflanzengemeinschaften auf Weiden. Rinder beißen ein Pflanzenbüschel nicht sauber ab, sondern sie reißen es mit der Zunge ab. So gibt es auf Rinderweiden quasi keinen Kahlfraß, und die Pflanzen können wieder neu austreiben. Rinder gehen von allen Weidetieren am schonendsten mit dem Pflanzenbestand um. Sie meiden dabei stachlige, bitter schmeckende oder hartlaubige Pflanzen.

Schafe hingegen verbeißen sehr tief, erfassen selbst die Bestockungszonen und selektieren mit ihren kleinen Mäulern die für sie schmackhaftesten Pflanzen aus dem Bestand heraus. Zu den gemiedenen und sich ausbreitenden Arten auf Schafhutungen gehören unter anderem Borstgras, Fiederzwenke, Seggen, Wolfsmilch- und Enzianarten, Gold- und Silberdistel und vor allem Wacholder und Schwarzdorn. Ziegen verbeißen den Pflanzenbestand ebenfalls sehr tief und fressen selektiv. Sie bevorzugen die Blätter, Schösslinge sowie die jüngeren Triebe von Gehölzen und drängen die Fiederzwenke zurück. Auf der Weide haben alle Tiere einen ausgezeichneten Futterinstinkt, wodurch sie zum Beispiel Giftpflanzen weitestgehend meiden.

Auch der Tritt der Weidetiere wirkt auf die Vielfalt des Pflanzenbestandes, da die verschiedenen Pflanzenarten unterschiedlich trittempfindlich sind. Ebenfalls beeinflusst der Weidetiertritt das Bodengefüge, fördert die biologische Aktivität des Bodens sowie die Mikroorganismentätigkeit.

Der Tritt des Rindes fördert das Wachstum von Untergräsern, von nicht staudenartigen Kräutern und schädigt gemiedene Pflanzen. Das geringere Gewicht von Schaf und Ziege führt zu einer geringeren Trittbelastung und begünstigt untergrasreichere Bestände. Man spricht vom „goldenen Tritt“ der kleinen Wiederkäuer.

Jedes Weidetier gibt über seine Exkremente den größten Teil der mit dem Futter aufgenommenen Pflanzennährstoffe wieder in den natürlichen Kreislauf zurück. Der Umwandlungsprozess in pflanzenverfügbare Nährstoffe findet durch im Boden lebende Mikroorganismen statt. Er dauert zwar über einen längeren Zeitraum an, wirkt sich aber auf die Pflanzengemeinschaften wachstumsfördernd aus. Je ungleichmäßiger die Exkremente auf einer Weide verteilt sind, desto vielfältiger und mosaikartiger ist in der Regel der Pflanzenbestand. Besonders bei Rinderweiden ist dieser Effekt zu beobachten. Auf Schafweiden findet eine gleichmäßigere Exkrementverteilung statt, was eine eher gleichmäßigere Verteilung von Pflanzenarten über die gesamte Beweidungsfläche zur Folge hat. Insgesamt betrachtet, können alle weidetierspezifischen Verbiss-, Tritt- und Exkrementwirkungen auf der gesamten Weidefläche oder mosaikartig in Erscheinung treten.

Weidesysteme und Artenvielfalt

Auch die verschiedenen Beweidungssysteme und damit verbundenen Weideintensitäten, die auf den verschiedenen Funktionstypen des Grünlands angewendet werden, beeinflussen die biologische Vielfalt des Grünlands.

Die Milchviehweide wird in Form der Mähweide, Portions- oder Kurzrasenweide auf Produktiven Grünland betrieben. Kennzeichnend sind dichte, artenarme und von Gräsern dominierte Pflanzenbestände mit hohem Untergrasanteil.

Extensivweidesysteme, meist betrieben mit Schafen, Ziegen oder Mutterkühen, sind die Grundvoraussetzung für die Erhaltung des artenreichen Extensiv- sowie Biotopgrünlandes.

Auf den Alm-/Alpweiden besteht bei regelmäßiger Beweidung eine sehr hohe floristische Vielfalt, zum Beispiel die der alpinen Milchkrautweide. Ohne diese Nutzung würde der Charakter der subalpinen und alpinen Gebiete verloren gehen.

Hutungen befinden sich auf nährstoffarmen, trockenen Extremstandorten. Hutweiden mit Rindern (Allmendweiden) oder mit Schafen (Hüteschafhaltung) sind sehr artenreich. Diese Extensivweidesysteme hinterlassen ein hochdiverses Strukturmosaik aus einem fleckigen Muster verbissener und nicht genutzter Bereiche. Im lückigen Bestand haben kleine, bodennahe Pflanzen ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bestände können auch, weil vom Weidetier gemieden, Disteln und stark riechende, giftige Pflanzen enthalten. Bei zu geringem Beweidungsdruck kann die selektive Futteraufnahme zum Aufkommen von Gehölzen mit Nadelblättern, Dornen oder Stacheln, beispielsweise Wacholder, Stechginster, Schwarz- und Weißdorn, führen. Ein Mischbesatz mit Ziegen begrenzt die Ausbreitung dieser Gehölze.

Weidewirtschaft mit Mutterkühen kann zur Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt in Form der Stand-, Koppel- Umtriebs- oder Mähstandweide erfolgen. Je geregelter der zeitliche Ablauf dieser Beweidungsformen erfolgt, desto gleichmäßiger wird der Pflanzenbestand von den Weidetieren abgefressen und umso weniger können sich Gehölze durchsetzen. So entstehen strukturierte Extensivweiden, die zahlreichen Vogelarten Brutmöglichkeiten bieten. Aufgrund des ruhigen Weideverhaltens von Mutterkühen werden die Bodenbrüter und deren Gelege kaum gestört. Auch Insekten können sich bei den langsam vorwärts grasenden Rindern entfernen.

Wird extrem strukturreiches Grünland ganzjährig, großräumig mit Rindern und Pferden beweidet, entsteht eine halboffene Weidelandschaft. Dabei wird ein Mindestoffenlandanteil erhalten. Darüber hinaus wird die Strukturvielfalt der Weide noch erhöht und sowohl dieser Lebensraum als auch die Artenvielfalt bereichert. Bedingt werden diese positiven Auswirkungen durch eine sehr geringe Besatzdichte und dass ein wertvoller Pflanzenbestand in den Offenlandbereichen bereits vor der Beweidung vorhanden war.

Die Waldweide mit Rindern als Beweidungssystem bewirkt durch Verbiss von Gräsern wie Reitgras eine Auflichtung und bringt Wärme in den Boden. Dadurch wird das Wachstum von Kräutern und Pilzen begünstigt und Lebensraum für Insekten geboten. Es entstehen Nahrungsquellen, von denen Kleinsäuger und bedrohte Vogelarten, beispielsweise Ziegenmelker, Heidelerche und andere mehr, profitieren.

Beweidung fördert die Biodiversität

Die biologische Vielfalt auf Weiden resultiert aus den Wechselbeziehungen zwischen Weidetier, Pflanzengemeinschaft und Tierwelt. Es entsteht ein Flora-Fauna-Netzwerk mit hoher genetischer Vielfalt, das sich auf verschiedene Lebensräume vom Boden über die Oberfläche und auf höher gelegene Pflanzenteile erstreckt. So bieten Weiden ökologische Nischen für viele Tier- und Pflanzenarten. Weiden auf extensivem Grünland haben dabei den höchsten Anteil seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.

Die Pflanzen- und Tierwelt einer Weide sind eng miteinander vernetzt, wobei die Tierwelt aus einer vielfältigen Mikrofauna im Boden und einer ebenso vielfältigen Fauna im Pflanzenbestand besteht. Hier sind Fliegen, Käfer, Hautflügler, Wanzen die wichtigsten Tiergruppen. Hinzu kommen Schmetterlinge, Spinnen und Wirbeltiere. Dabei sind manche Tierarten an ganz bestimmte Pflanzenarten gebunden. Beispielsweise kann eine Pflanzenart als alleinige Nahrungsquelle für eine Tierart fungieren oder eine bestimmte Tierartgruppe kann nur eine bestimmte Pflanzenart bestäuben. Wieder andere Pflanzenarten sind von Tieren abhängig, um sich weiterzuverbreiten und manche Tierarten brauchen Pflanzen unbedingt für ihre Eiablage oder Überwinterung.

Die Exkremente von Weidetieren bieten eine Nahrungsquelle für wirbellose Bodentiere, vor allem Regenwürmer. Sie werden innerhalb weniger Monate von ihnen abgebaut und zu pflanzenverfügbaren Nährstoffen umgewandelt. Auch werden aus Exkrementen Kleinlebensräume und wertvolle Nahrungshabitate vieler Insekten.

Biologische Vielfalt im Grünlandbestand entwickelt sich, wenn niedrigwüchsige, konkurrenzschwache Pflanzenarten in der untersten Bestandsschicht ausreichend mit Sonnenlicht versorgt werden können. Durch eine angemessene Weideintensität im Vorsommer wird der dafür notwendige kurze Pflanzenbestand erreicht.

Darüber hinaus tragen alle Weidetierarten auf allen Weiden als „Samentaxi“ zur Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt durch die Verbreitung von Pflanzensamen (im Magen-Darmkanal, mit dem Kot oder der Erde an den Klauen und Hufen) bei. Die Samen von Spezialisten wie Kletten oder Haftdolde kleben im Fell beziehungsweise in der Wolle von Weidetieren fest und werden so weiterverbreitet.

Grünlandtypen und ihre Artenvielfalt

Insgesamt gesehen bietet Grünland eine große Artenvielfalt. Dabei ist jede Grünlandfläche geprägt durch ihren Standort und weist bestimmte Kennarten an Pflanzengemeinschaften auf. Daher lassen sich Grünlandtypen nach dem Vorkommen bestimmter Pflanzenarten einteilen. Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter orientieren sich daran, welche Weidetierarten für welchen Grünlandstandort am geeignetsten sind und wie sich deren Beweidung auf das Grünland und dessen biologische Vielfalt auswirkt.

Die Weidelgras-Weißklee-Weide ist der wichtigste Grünlandtyp für Milchvieh- und Jungrinderweiden. Sie ist artenarm, aber ein wertvolles Habitat für Wiesenvögel (Weißstorch, Kiebitz, Bekassine und andere).

Der Grünlandtyp Mähweide mit Kennarten wie Knaulgras, Wiesenlieschgras, Schafgarbe ist floristisch wie faunistisch für das produktive Grünland von Bedeutung.

Die Rotschwingel-Straußgrasweide weist eine mittlere Artenzahl auf und ist typisch für Mutterkuh-Extensivweiden. Sie ist mit den Kennarten Kammgras, Ruchgras, Schafgarbe, kleines Habichtskraut, Rauer Löwenzahn und dem oft sich stark ausbreitenden Bärwurz ausgestattet und bietet Lebensraum für Wiesenpieper, Drossel und Finken.

Der Borstgrasrasen mit unter anderem Blutwurz und Arnika als Kennarten bietet Lebensraum z.B. für Schafstelze, Insekten und Spinnen. Die Arnika kann sich nur durch Rinderweide entwickeln.

Die beweideten Streuobstwiesen sind ein ideales Beispiel für biologische Vielfalt. Sehr viele Tierarten sind an das Vorhandensein von Bäumen und einen blütenreichen Grünlandbestand gebunden. Bis zu 450 Pflanzenarten und 3000 Tierarten können in Streuobstwiesen leben (vgl. Briemle und Fink, 1993).

Die Magerrasen trockener Standorte sind für die Hüteschafhaltung/Wanderschäferei (mit Ziegen) prädestiniert. Sie sind von Horstgräsern und einem lockeren Pflanzenbestand geprägt, der vielen Arten Lebensraum gibt.

In Süddeutschland sind die steppenartigen Trockenrasen als Trespen-Trockenrasen mit unter anderem Erdsegge, Kalk-Blaugras, Sonnenröschen, Berg-Gamander verbreitet. Den hochwüchsigen, lückigen Steppen-Trockenrasen mit Haar-Pfriemengras, Walliser- und Raublättrigem Schwingel, Sand-Fingerkraut, Stengellosem Tragant trifft man im mitteldeutschen Trockengebiet an. Der Pflanzenbestand wird hier vom Echten Federgras mit seinen silbrig schimmernden Samenständen und von vielen Knollen- und Zwiebelpflanzen geprägt. Für viele Tierarten ist er Lebensraum, unter anderem für bodenlebende Vögel, bedrohte Insekten, Schmetterlinge, Heuschrecken und an Gräsern aufsteigende Schneckenarten.

Die Ginster-Sandheide des Flachlandes ist eine vom Heidekraut geprägte Zwergstrauchheide, die ihre Anziehungskraft der im Spätsommer hellviolett-rosafarbenen Blüte des Heidekrautes verdankt. Viele Zwergsträucher (unter anderem Haar- und Englischer Ginster), Gräser (Drahtschmiele, Schafschwingel, Rotes Straußgras), einzelne Rosettenpflanzen, aber auch Stauden bilden einen dicht geschlossenen, artenarmen Bestand. Für die Erhaltung eines Mosaiks an floristischer Struktur und Artenvielfalt ist die traditionelle extensive Beweidung mit genügsamen Schafrassen (Heidschnucken) unerlässlich. So wird der Vergrasung und dem Gehölzaufwuchs vorgebeugt und der Lebensraum für viele wirbellose Tierarten, zum Beispiel Käfer und Spinnen erhalten.

Die Trespen-Halbtrockenrasen setzen sich überwiegend aus subkontinentalen Arten zusammen (Fiederzwenke, Schafschwingel, Aufrechte Trespe, Großes Schillergras, Gold- und Silberdistel, Deutschen und Fransenenzian, Zypressen-Wolfsmilch, Knabenkräuter, Ragwurz-Arten, Zittergras, Thymian, Küchenschelle und viele mehr). In Süd- und Mitteldeutschland sind der Enzian-Schillergras-Rasen oder auch die Wacholderheide verbreitet. Das Schaf verbeißt hier selbst die jungen Triebe des Wacholder nicht.

Die Trocken- und Halbtrockenrasen sind die artenreichsten Grünlandtypen. Der größte Teil der gefährdeten Pflanzenarten ist auf diesen Grünlandtypen angewiesen. Hier leben die meisten seltenen Insektenarten, unter anderem eine Vielzahl an Schmetterlingsarten.

Folgen einer unzureichenden Beweidung

Ohne ausreichenden Weidetierbestand werden die schützenswerten und multifunktionalen Weideflächen des Grünlands unternutzt. Eine zu seltene Beweidung beziehungsweise kein regelmäßiger Verbiss bewirkt Artenrückgang und Verbuschung. Offene Grünlandflächen und deren Pflanzengemeinschaften gehen nach kurzer Zeit verloren. Folglich verlieren auch viele Tierarten ihren Lebensraum. Am stärksten gefährdet sind die artenreichsten, ökologisch wertvollsten Grünlandtypen, die kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Grünland am Steilhang und Flächen mit extremen Mikrorelief.

Die Beweidung von Pflanzengemeinschaften mit einer besonderen, spezifischen floristischen und faunistischen Artenausstattung, wie Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden oder Borstgrasrasen, ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz eine Maßnahme der erhaltenden Landschaftspflege. Für den Erhalt dieser artenreichen Pflanzengemeinschaften im Grünland ist die Beweidung das wichtigste biologische Pflegeverfahren. Denn im Gegensatz zu nicht-biologischen Landschaftspflegeverfahren, wie der maschinellen Mahd, fördern weidende Tiere mit ihrem Fress- und Trittverhalten sowie ihren Exkrementen die biologische Vielfalt des Grünlandes in besonderer Weise. Deshalb nehmen Beweidungssysteme mit unterschiedlichen Weidetierarten und -rassen eine zentrale Stellung in der Landschaftspflege ein.

Beweidung ist von uns als Gesellschaft als umweltschützendes, kulturelles, soziales und wirtschaftliches Gut zu betrachten. Sie trägt maßgeblich zum Schutz von spezifischen Arten, Biotopen und Lebensräumen für viele Pflanzen und Tierarten bei. Darüber hinaus dient sie dem regionalen Klimaschutz, indem sie die Kohlendioxidspeicherfunktion des Bodens und die Puffer- und Filterfunktion für Grundwasser und Oberflächengewässer unterstützt.