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Zwischenfrüchte und Beisaaten - Umweltschonende Bewirtschaftung auf der Wiesenbach-Agrar GbR

01.04.2025 - Betriebsvorstellung: die Wiesenbach-Agrar GbR im Nordwesten Baden-Württembergs setzt zahlreiche Maßnahmen als Demonstrationsbetrieb um und kann auf eine erfolgreiche, erste Saison zurückblicken.

01.04.2025, Holger Knögel, Ramona Wermuth (LTZ Augustenberg), Niklas Conzelmann (LTZ Augustenberg)    Der landwirtschaftliche Betrieb „Wiesenbach-Agrar GbR“ wurde im November 2020 als Nachfolgebetrieb der Peter & Marco Schmitt GbR von der Fam. Schmitt und den Partnern Steffen Linnenbach (Landwirtschaftsmeister) und Holger Knögel (Landwirt & Maschinenbauingenieur) gegründet. Der Betrieb bewirtschaftet 118 ha Ackerland, auf welchen hauptsächlich Winterweizen, Winterraps und Zuckerrüben angebaut werden. Dabei steht dem Betrieb eine große Auswahl an Technik zur Verfügung, wie ein Düngerstreuer mit Section Control, ein Mähdrescher mit Ertragserfassung und eine Pflanzenschutzspritze mit Teilbreitenabschaltung. Hiermit ist eine moderne und effiziente Wirtschaftsweise möglich. Zudem legt der Betrieb Wert auf eine regionale Verarbeitung. Bereits vor Beginn des Projektes haben sich die Partner der Wiesenbach-Agrar GbR Ziele gesetzt, um eine umweltschonende und zukunftsfähige Bewirtschaftung des Betriebes zu garantieren. Der Betrieb legt Wert auf den Aufbau von Humus als Wasser- und CO2-Speicher. Es werden weite Fruchtfolgen eingesetzt und auf eine erosionsmindernde Wirtschaftsweise geachtet. Im Weiteren werden biodiversitätsfördernde Maßnahmen auf Stilllegungsflächen umgesetzt, wie Blühstreifen, Magerwiesen und Bienenweiden. Zudem wird auf eine durchgehende Bodenbedeckung geachtet. Seit Betriebsgründung wird außerdem freiwillig auf den Einsatz von Glyphosat verzichtet.

Holger Knögel: „Wir sind bei dem Projekt dabei, weil wir Neues ausprobieren und wertvolle Erfahrungen für unsere Kollegen und uns sammeln möchten. Dabei hoffen wir durch das MuD-Projekt einen starken Partner an unserer Seite zu haben, der uns bei diesem Vorhaben unterstützt.“

Droheneinsatz zur Zwischenfruchtaussaat, kurz vor der Hirseernte, 16.08.2024.
Holger Knögel (Wiesenbach Agrar GbR)

Seit Beginn des Projektes konnten auf dem Betrieb noch weitere Maßnahmen umgesetzt werden. So wird seit Beginn des Projektes das Schädlingsmonitoring im Raps mithilfe von digitalen Gelbschalen durchgeführt. Wichtige Schädlinge im Raps sind der Große Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala), der Große Rapsstängelrüssler (Ceutorhynchus napi) und der Gefleckte Kohltriebrüssler (Ceutorhynchus pallidactylus). Um den Zuflug dieser Schädlinge und das Überschreiten der Schadschwellen überwachen zu können, werden Gelbschalen eingesetzt. Der Nachteil an den Gelbschalen ist, dass sie häufig kontrolliert werden müssen. Digitale Gelbschalen bieten den Vorteil einer Fernüberwachung. Im Rahmen des Projektes soll untersucht werden, wie sich der Einsatz von digitalen Gelbschalen in der Praxis bewährt. Weiterhin wird auf dem Betrieb Wiesenbach-Agrar GbR seit 2024 das kostenlose ISIP Prognosemodell SIG (Schaderreger-Infektions-Gefahr) angewendet. Pilzkrankheiten sind in Getreide häufig der Grund für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, weil sie für große Ernteverluste verantwortlich sein können. Prognosemodelle können dabei helfen, den Einsatz von Fungiziden zu optimieren und wenn möglich zu reduzieren. Dazu werden Wetterdaten sowie Informationen zur Bestandentwicklung und je nach Prognosemodell weitere Faktoren, wie das BBCH-Stadium und die Sorte berücksichtigt. Mit ISIP-Prognosemodellen soll auch in der kommenden Saison auf dem Betrieb gearbeitet werden. 

Zwischenfruchtbestand am 30.10.2024.
Niklas Conzelmann (LTZ Augustenberg)

Der Zwischenfruchtanbau spielt auf dem Betrieb - aufgrund seiner vielfältigen Vorteile u.a. im integrierten Pflanzenbau – eine wichtige Rolle. Dabei können artenreiche Zwischenfruchtmischungen durch die unterschiedlichen Mischungspartner Vorteile mit sich bringen. So können mehrere Mischungspartner das Risiko von Ausfällen mindern, sie können verschiedene Wachstumszeiten abdecken. Außerdem bilden sie mehr unterirdische Biomasse in verschiedenen Bodenhorizonten und können somit mehr und unterschiedlichere Nährstoffe aufnehmen. Allerdings sind sie in der Regel teurer und nicht jede enthaltene Art verträgt sich mit jeder Fruchtfolge. Im Herbst wurden vier verschiedene artenreiche Zwischenfruchtmischungen ausgesät. Dabei soll untersucht werden, welche Mischung am besten für die Standortbedingungen geeignet ist. Zwischenfrüchte können zudem bereits vor der Ernte in einen Bestand eingesät werden. So haben die Pflanzen der Zwischenfruchtmischung mehr Zeit sich zu entwickeln und es kommt zu keiner Lücke in der Bodenbedeckung. Für die Aussaat einer Untersaat kann eine Drohne genutzt werden, die das Saatgut über dem Bestand ausbringt. Dieses Verfahren wurde auf dem Betrieb Wiesenbach-Agrar in der letzten Saison ebenfalls getestet und soll in der kommenden Saison verbessert werden.

Raps mit Beisaat aus Purpurwicke, Alexandrinerklee und Bockshornklee, 30.10.204.
Niklas Conzelmann (LTZ Augustenberg)

 Ebenfalls zum Ende der letzten Saison wurde auf dem Betrieb Wiesenbach-Agrar Raps mit Beisaat gesät. Ausgesät wurden zwei Rapssorten mit verschiedenen Beisaaten sowie zum Vergleich die beiden Rapssorten ohne Beisaaten. Die eine Beisaat bestand aus Purpur-Wicke, Alexandrinerklee und Bockshornklee. Die andere Beisaat bestand aus 1 % früher Liniensorte und 89 % Legmuninosen (Aufrechte Wicke/Bockshornklee). Die frühe Liniensorte blüht in etwa 10 Tage früher und soll so als Lockpflanze für den Rapsglanzkäfer dienen, damit der ertragsbringende Raps weniger Schaden nimmt. Der Bockshornklee soll durch seinen intensiven Geruch vergrämend auf den Rapserdfloh wirken, sodass durch die Beisaat der Einsatz von Pflanzenschutzmittel reduziert werden kann. Durch den erhöhten Bodenbedeckungsgrad kommt es ebenfalls zu einer Unterdrückung von Unkräutern, was die Notwendigkeit einer Unkrautbehandlung verringert. Des Weiteren sorgt die Beisaat für eine schnellere Bodenbedeckung und somit einen schnelleren Erosionsschutz. Außerdem sorgen die Leguminosen in der Beisaat für eine N-Nachlieferung, sodass zusätzlich Düngemittel eingespart werden kann.