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Umwelt

IPBES-Bericht: Extremer Artenverlust hat gravierende Folgen

IPBES-Bericht: Extremer Artenverlust hat gravierende Folgen

Der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES zeichnet ein beunruhigendes Bild über die weltweite Artenvielfalt. Laut der UN-Organisation ist fast jede achte Art vom Aussterben bedroht.

Am 6. Mai wurde eine Zusammenfassung des globalen Berichts des Weltbiodiversitätsrat IPBES über den Zustand der Natur veröffentlicht, der für viel Aufregung sorgte. 145 Fachautorinnen und Autoren aus 50 Ländern werteten für den Bericht über drei Jahre lang rund 15.000 der relevantesten wissenschaftlichen und politischen Publikationen aus, um folgende Fragen zu beantworten: Wie haben sich die biologische Vielfalt und die Ökosysteme in den vergangenen 50 Jahren verändert? Was waren die Gründe dafür? Und wie wird sich die Natur in den nächsten Jahrzehnten entwickeln?

Die Erkenntnisse in dem Bericht sind eindeutig: Der Zustand unserer Natur verschlechtert sich dramatisch. In Ihrem Bericht nennt die UN-Organisation dazu eine Reihe von beunruhigenden Fakten: So sind laut IPBES-Bericht von den geschätzten acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit rund eine Million vom Aussterben bedroht, viele davon bereits in den nächsten Jahrzehnten. Das sind mehr als je zuvor in der gesamten Geschichte der Menschheit. Der durchschnittliche Bestand an einheimischen Arten in den meisten wichtigen Lebensräumen an Land ist um mindestens 20 Prozent gesunken. Zudem sind mehr als 40 Prozent der Amphibienarten, fast 33 Prozent der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel aller Meeressäuger bedroht. Mehr als neun Prozent aller domestizierten Rassen von Säugetieren, die für die Ernährung und Landwirtschaft verwendet werden, waren bis 2016 ausgestorben, mindestens 1.000 weitere Rassen sind noch bedroht.

Laut IPBES-Bericht hat die Geschwindigkeit, mit der Arten aussterben in den letzten Jahrzehnten immer weiter zugenommen: So liegt die Rate derzeit 10- bis 100-Mal höher als zu allen anderen Zeiten in den vergangenen zehn Millionen Jahren. Und vorläufig sei kein Ende dieser Entwicklung in Sicht.

Ursachen für die verheerenden Naturveränderungen

Ursache für diesen verheerenden Artenverlust ist in erster Linie der Mensch. Der Bericht listet die fünf maßgeblichen Treiber für den Verlust der Biodiversität auf: Den größten Einfluss auf den verheerenden Wandel hat demnach die immer stärkere Nutzung von Land und Meer. An zweiter Stelle steht die direkte Ausbeutung von Lebewesen, zum Beispiel durch intensive Befischung. An dritter Stelle kommt der Klimawandel, gefolgt von Umweltverschmutzung und zuletzt den invasiven, gebietsfremden Arten. Die Bedeutung des Klimawandels werde in den nächsten Jahrzehnten jedoch noch zunehmen und kann damit zur Hauptursache für das Artensterben werden, so die Experten. Zu den wichtigsten indirekten Einflussfaktoren gehören unter anderem die steigende Weltbevölkerung und der höhere Pro-Kopf-Verbrauch an Nahrungs- und Konsumgütern und die damit einhergehende Naturzerstörung.

Artenverlust bedroht unsere Lebensgrundlage

Die Autoren warnen in dem Bericht, dass der weltweite Verlust von Arten zunehmend unsere Lebensgrundlagen bedroht, und zeigen dafür einige Beispiele auf: So habe die Bodenverschlechterung auf 23 Prozent der Landfläche zu einer Verringerung der landwirtschaftlichen Produktivität geführt. Der Verlust von Bestäuberinsekten berge ein Risiko von Ernteausfällen im Wert von jährlich 235 bis 577 Milliarden US-Dollar. Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern sei die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet. Und auch die Zahl der Umweltflüchtlinge werde zunehmen. Heute schon, so der Bericht, belaufe sich deren Zahl auf mehrere Millionen Menschen.

Es ist nicht zu spät zu handeln

Die negativen Trends in der Natur werden, so das UN-Gutachten, bis 2050 und darüber hinaus anhalten. "Der Bericht sagt uns aber auch, dass es nicht zu spät ist, etwas zu bewegen," sagt Sir Robert Watson, Vorsitzender der IPBES. "Aber nur, wenn wir jetzt auf allen Ebenen von lokal bis global damit beginnen". Durch einen "transformativen Wandel" könne die Natur noch immer nachhaltig erhalten, restauriert und genutzt werden, so Watson. Unter "transformativem Wandel" versteht der UN-Bericht eine grundlegende, systemweite Reorganisation über technologische, wirtschaftliche und soziale Faktoren hinweg.