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Pflanze

Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung: Wachsen und wachsen lassen

Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung: Wachsen und wachsen lassen

Im Rahmen eines EIP-Projekts wurden verschiedene Produktionstechniken zur nachhaltigen Gr├╝nlandnutzung in ung├╝nstigen Lagen auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

Viele Gr├╝nlandfl├Ąchen in Baden-W├╝rttemberg liegen auf so genannten ung├╝nstigen Standorten. Besonders im Schwarzwald und auf der Schw├Ąbischen Alb befindet sich ein ├╝berdurchschnittlich hoher Anteil Gr├╝nland, das nur schwer bewirtschaftet werden kann. Dabei ├╝bernehmen diese Gr├╝nlandfl├Ąchen sehr wichtige Funktionen: Sie tragen dazu bei, den Wasserhaushalt zu regulieren, sie verhindern das Abtragen des Bodens, sie mindern Treibhausgas-Emissionen und N├Ąhrstoffaustr├Ąge, sie erhalten oder erh├Âhen die biologische Vielfalt und sie sorgen f├╝r eine strukturierte und vielf├Ąltige Kultur- und Erholungslandschaft.

Doch die nachhaltige Bewirtschaftung dieser Gr├╝nlandfl├Ąchen ist oft schwer m├Âglich (schlecht mechanisierbar, hoher Anteil von Fl├Ąchen im Natur- und Landschaftsschutz). Um sie ├╝berhaupt zu gew├Ąhrleisten, m├╝ssen die Betriebe selbst nachhaltig bewirtschaftet werden k├Ânnen, und zwar sowohl in ├Âkonomischer Hinsicht als auch nach ├Âkologischen und sozialen Aspekten.

Im Rahmen eines Projektes der Innovationspartnerschaft landwirtschaftliche Produktivit├Ąt und Nachhaltigkeit (EIP Agri) sollten deshalb Ans├Ątze erarbeitet werden, die eine Gr├╝nlandnutzung in den benachteiligten Gebieten Baden-W├╝rttembergs f├╝r landwirtschaftliche Betriebe ├Âkonomisch attraktiv machen und dabei auch ├Âkologisch und sozial tragf├Ąhig sind.


Video zum Projekt "Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung in Baden-W├╝rttemberg"

Gr├╝nland im Schwarzwald stellt Landwirte vor Herausforderungen: Hanglagen und Naturschutzvorschriften schr├Ąnken die Bewirtschaftung ein. Dass sich tierwohlgerechte und naturvertr├Ągliche Weidehaltung aber auch ├Âkonomisch rentieren kann, zeigt der Film ├╝ber den Hierahof in Lenzkirch. Quelle: Deutsche Vernetzungsstelle L├Ąndliche R├Ąume (DVS)


Das Projekt

Das Projekt "Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung in ausgew├Ąhlten Problemgebieten Baden-W├╝rttembergs" startete am 1. April 2016 und endete am 31. M├Ąrz 2019. In der Operationellen Gruppe arbeiteten 24 Landwirte gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universit├Ąt Hohenheim sowie Mitarbeitern des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-W├╝rttemberg Aulendorf, der Landesanstalt f├╝r Landwirtschaft, Ern├Ąhrung und L├Ąndlichen Raum Schw├Ąbisch Gm├╝nd, der Landwirtschafts├Ąmter Breisgau-Hochschwarzwald, G├Âppingen und Reutlingen sowie der Gemeinde Fr├Âhnd an der Entwicklung von Ma├čnahmen zur F├Ârderung einer nachhaltigen Gr├╝nlandnutzung.

Die landwirtschaftlichen Betriebe, mehrheitlich Milchviehbetriebe mit einem hohen Anteil an Gr├╝nland, lagen im s├╝dlichen und mittleren Schwarzwald sowie auf der Schw├Ąbischen Alb und waren durch einen hohen Anteil an Steillagen, Fl├Ąchen im Natur- und Landschaftsschutz (so genannte FFH-Fl├Ąchen, FFH = Flora Fauna Habitat) oder Streuobstwiesen gekennzeichnet. Von folgenden Produktionsverfahren versprach sich die Gruppe einen Mehrwert f├╝r eine nachhaltige Gr├╝nlandnutzung:

1. Erstellen von Futterzuwachskurven

Weil Landwirte mit reinen Gr├╝nlandbetrieben auf die bestm├Âgliche Ausnutzung ihrer Wiesen und Weiden angewiesen sind, sollten sie ihr Gr├╝nland gezielt nutzen und ├╝ber den Ertrag ihrer Fl├Ąchen stets Bescheid wissen. Eine M├Âglichkeit ist das Erstellen so genannter Futterzuwachskurven. Das Futter wird dazu nach einem festgelegten Schnittregime geerntet und die Ertragskennzahlen jeweils in ein Diagramm eingetragen. Durch das Verbinden der einzelnen Punkte ergibt sich eine Kurve, die sich leicht mit den Kurven anderer Standorte vergleichen l├Ąsst. So kann die Ertragsf├Ąhigkeit eines Standortes gut dargestellt werden.

Im Projekt wurden Futterzuwachskurven f├╝r sechs verschiedene Standorte erstellt und mit den Ertr├Ągen eines Gunststandortes verglichen. Die Auswertungen zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen den Standorten (Tabelle1). So wiesen die untersuchten M├Ąhwiesen in Titisee-Neustadt und im Siedelbachtal einen bis zu 25 Prozent geringeren Trockenmasse-Ertrag auf als der Gunststandort Aulendorf. Die Weiden im Gebiet um Bernau (s├╝dlicher Hochschwarzwald) verzeichneten sogar einen 74 Prozent geringeren Trockenmasse-Ertrag.

Tabelle 1: Vergleich wichtiger Ertragskennzahlen von Gr├╝nland an den Standorten in Aulendorf, Titisee-Neustadt, Siedelbachtal und Bernau im Jahr 2017
Standort Ertragsanteile  Gr├Ąser : Kr├Ąuter : Leguminosen (in Prozent) Mittlere Futterwertzahl Ertrag, dt Trockenmasse/ Hektar Rohprotein (in Prozent) MJ NEL/ Kilogramm
Aulendorf 76: 17: 7 7,6 108 16,6 6,2
Ebene Titisee-Neustadt (M├Ąhwiese) 72: 21: 7 5,2 88 13,1 6,0
Sonnhang Titisee-Neustadt (M├Ąhwiese) 74: 20: 6 6,7 88 12,3 6,1
Winterberg, Siedelbachtal (M├Ąhwiese) 57: 31: 12 6,5 76 14,4 6,1
Sommerberg Siedelbachtal (M├Ąhwiese) 46: 31: 23 6,6 75 13,8 6,1
Winterberg Bernau (Weide) 40: 50: 2 35 15,1 5,2
Sommerberg Bernau (Weide) 50: 45: 2 21 14,5 5,2

Quelle: Abschlussbericht zum Projekt "Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung in ausgew├Ąhlten Problemgebieten Baden-W├╝rttembergs", MJ NEL = Netto-Energie-Laktation in Megajoule

Die Untersuchungen zeigten dar├╝ber hinaus, dass auch die Art der Nutzung einer Gr├╝nlandfl├Ąche einen gro├čen Einfluss auf dessen Ertragsf├Ąhigkeit aus├╝bt. Dies wurde insbesondere beim Vergleich von guten Fl├Ąchen mit FFH-Fl├Ąchen auf der Schw├Ąbischen Alb deutlich. Die extensiv genutzten FFH-Fl├Ąchen wiesen bei standortangepasster zwei- bis dreimaliger Nutzung einen im Durchschnitt 50 Prozent geringeren Trockenmasseertrag auf als die guten Fl├Ąchen. In einigen Regionen war der Ertrag durch die dort wachsenden Giftpflanzen sogar noch geringer.

Trotz der erschwerten Bedingungen fanden sich in den benachteiligten Regionen des Schwarzwaldes und der Schw├Ąbischen Alb aber auch g├╝nstige futterbauliche Bedingungen. Diese m├╝ssen Landwirte gezielt nutzen, wenn sie ihre Gr├╝nlandfl├Ąchen nachhaltig bewirtschaften m├Âchten.

2.M├Ąhen und Beweiden von Streuobstfl├Ąchen

Streuobstwiesen sind in Baden-W├╝rttemberg ein wesentlicher Teil der Landschaft und sie sind Lebensraum f├╝r viele Pflanzen- und Tierarten. Ihre Bewirtschaftung ist jedoch aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft sowie fehlender Nutzungskonzepte oft nicht nachhaltig. Die Operationelle Gruppe fragte sich, welche landwirtschaftlichen Nutzungsformen f├╝r Streuobstwiesen besonders geeignet sind. Bei den Erhebungen wurde vor allem der negative Einfluss der Beschattung auf die Trockenmasseertr├Ąge deutlich. Er machte bei Weidefl├Ąchen 25 Prozent gegen├╝ber sonnenexponierten Fl├Ąchen aus, bei den gem├Ąhten Fl├Ąchen (Schnittnutzung) waren es sogar 29 Prozent. Auch die technische Bewirtschaftung gestaltete sich aufgrund der Einschr├Ąnkungen durch die B├Ąume sehr schwierig.

3. Ausbringen von Nachsaaten

Im Nachsaatversuch sollten Gr├╝nlandfl├Ąchen mit gezielten Nachsaatmischungen verbessert werden, damit sie bei schwierigen Witterungsverh├Ąltnissen im Fr├╝hjahr und bei Trockenheit im Sommer eine h├Âhere Produktivit├Ąt erzielen. Die Mischungen wurden als ├ťbersaat ausgebracht. Obwohl das Saatgut anfangs gut keimte und auflief, vertrockneten die jungen Pfl├Ąnzchen zum Teil sehr schnell wieder - ein Ph├Ąnomen, das in der Praxis regelm├Ą├čig auftritt. Die einges├Ąten Mischungen konnten sich deshalb nicht auf der Fl├Ąche etablieren. Obwohl die Nachsaat nicht den gew├╝nschten Erfolg brachte, gewannen die Landwirte wichtige Erkenntnisse ├╝ber die Standorte, das Wachstumsverhalten der Pflanzen sowie ├╝ber Ertr├Ąge und Zuwachsraten hinzu und konnten daraus Strategien f├╝r eine standortangepasste und effiziente Schnitt- und vor allem Weidenutzung des Gr├╝nlandes ableiten.

4. G├╝nstige Zeitpunkte zur G├╝lleausbringung nutzen

In einer weiteren Versuchsanordnung wurden die Einfl├╝sse von Herbst- und Fr├╝hjahrsd├╝ngung mit G├╝lle auf den Ertrag des Gr├╝nlandes gegen├╝bergestellt. Die Effekte wurden auf 15 Standorten getestet, die entsprechend ihres Wachstumsbeginns in drei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt worden waren (gutes Wachstum im fr├╝hen Fr├╝hjahr, mittlerer beziehungsweise sp├Ąter Vegetationsstart).

In allen Gruppen wurde einheitlich am 2. November 2016 (Herbstg├╝llevarianten) und am 22. M├Ąrz 2017 (Fr├╝hjahrsg├╝llevarianten) verd├╝nnte Rinderg├╝lle ausgebracht, die von einem am Projekt beteiligten Betrieb stammte. Aus der G├╝llegrube des Betriebs waren vorher Proben gezogen und in Bezug auf ihren N├Ąhrstoff- und Trockensubstanzgehalt untersucht worden. Unmittelbar vor der Ausbringung wurde an jedem Standort der Gehalt des Bodens an verf├╝gbarem mineralisiertem Stickstoff erhoben und analysiert. Der Aufwuchs auf den Fl├Ąchen wurde das erste Mal nach zwei Wochen ermittelt und dann im zweiw├Âchigen Rhythmus wiederholt erfasst (drei Wiederholungen).

Bei der Auswertung der Ergebnisse konnte kein statistisch gesicherter Vorteil der Herbstg├╝lled├╝ngung auf den Trockenmasseertrag festgestellt werden. Dazu kommt, dass eine Ausbringung im sp├Ąten Herbst ein witterungsbedingt hohes Risiko der Auswaschung und damit von N├Ąhrstoffverlusten mit sich bringt. Herbstg├╝lle nach dem letzten Schnitt auszubringen, ist deshalb aus Ertrags- und Umweltsicht nicht sinnvoll. Besser ist es, in benachteiligten Lagen alle Zeitpunkte im Jahr zu nutzen, die f├╝r eine G├╝lleausbringung als g├╝nstig erscheinen.

5. Auf Kraftfutter verzichten

F├╝r manche Milchbetriebe in benachteiligten Gr├╝nlandregionen k├Ânnte der Verzicht auf Kraftfutter wirtschaftlich durchaus sinnvoll sein. Deshalb besch├Ąftigte sich eine Erhebung mit diesem Thema. Dabei wurden jeweils zwei K├╝he mit ├Ąhnlichem Leistungsniveau und ├Ąhnlichem Laktationsstand miteinander verglichen. Die eine Kuh erhielt (wie bisher) 550 kg Kraftfutter pro Jahr, bei der anderen Kuh wurde auf Kraftfuttergaben vollst├Ąndig verzichtet. Insgesamt 18 Paare wurden in den Versuch einbezogen. Die Kraftfutterherde erzielte (nur) 0,97 Kilogramm Milch pro Kilogramm eingesetztes Kraftfutter. Gleichzeitig wiesen die K├╝he ohne Kraftfutter eine bessere Grundfutterleistung auf. In den Tiergesundheitsparametern unterschieden sich beide Tiergruppen kaum voneinander (Tabelle 2).

Tabelle 2: Ergebnisse des Versuchs zur kraftfutterfreien F├╝tterung
 

Quelle: Abschlussbericht zum Projekt "Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung in ausgew├Ąhlten Problemgebieten Baden-W├╝rttembergs"
Ergebnisse f├╝r den Zeitraum April 2016 bis M├Ąrz 2017 Gruppe mit Kraftfutter Gruppe ohne Kraftfutter
Kraftfuttermenge pro Kuh, Kilogramm 501 0
durchschnittliche Anzahl Laktationsmonate pro Kuh 9,4 9,1
Milchmenge pro Kuh (Kilogramm) 4,996 4,457
Um Laktationsmonate bereinige Milchmenge pro Kuh (Kilogramm) 4,996 4,509
Milch der K├╝he mit > 9 Laktationsmonaten (Kilogramm) 5,705 5,052
Fettgehalt (Prozent) 3,83 3,89
Eiwei├čgehalt (Prozent) 3,38 3,36
Harnstoffgehalt in der Milch 27 25
Body Condition Score (K├Ârperkondition) 3,5 3,5
Kalkulierte Kilogramm Milch pro eingesetztem Kilogramm Kraftfutter 0,97  
Quelle: Abschlussbericht zum Projekt "Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung in ausgew├Ąhlten Problemgebieten Baden-W├╝rttembergs"

6. Geeignete Rassen einsetzen

Milchvieh, das in (benachteiligten) Gr├╝nlandgebieten gute Leistungen erbringen soll, muss in einem System aus Vollweide, geringem Kraftfuttereinsatz und saisonaler Abkalbung sehr gut zurechtkommen. Gerade in Mittelgebirgsregionen wie dem Schwarzwald oder der Schw├Ąbischen Alb kann es deshalb sinnvoll sein, robuste Doppelnutzungsrassen wie das Vorderw├Ąlder Rind einzusetzen. Dass best├Ątigte sich bei einem Leistungsvergleich zwischen K├╝hen der Rasse Deutsche Holstein und dem Vorderw├Ąlder Rind unter unterschiedlichen Umweltbedingungen (in Bezug auf den Weidegang, die Futterration, den Kraftfutteranteil, die Grundfutterleistung). Dazu wurden die Daten von 15 Milchviehbetrieben ausgewertet.

Es stellte sich heraus, dass die Holstein-K├╝he zwar insgesamt die h├Âchste Milchleistung erbrachten, bei geringen Kraftfuttergaben von weniger als 100 Gramm Trockenmasse pro Kilogramm Milch ihre ├ťberlegenheit jedoch verloren. Dar├╝ber hinaus schnitten die Vorderw├Ąlder sowohl in Bezug auf den Proteingehalt der Milch als auch auf den Fettgehalt besser ab. Das traf insbesondere dann zu, wenn die Tiere auf Vollweide gehalten wurden und ihre Futterration ├╝berwiegend aus Gras und Heu (und wenig Kraftfutter) bestand. Unter diesen Bedingungen hatte das Vorderw├Ąlder Rind gro├če Vorteile und zeigte bei vergleichsweise geringen Milchleistungseinbu├čen eine deutlich bessere Eutergesundheit und Fruchtbarkeit. In zuk├╝nftigen Zuchtplanungen sollten deshalb nicht nur Milchleistungsmerkmale, sondern auch die Nutzungseffizienz von Gras, die Fruchtbarkeit sowie die Langlebigkeit eine Rolle spielen.

7. Weidefl├Ąchen gut planen

Landwirte aus L├Ąndern, in denen die Milcherzeugung fast ausschlie├člich an Gr├╝nland gebunden ist (Neuseeland, Irland) haben gelernt, ihre Weidefl├Ąchen optimal an den Futterbedarf der K├╝he anzupassen. Sie bestimmen den Aufwuchs auf ihren Fl├Ąchen mit Hilfe eines so genannten Rising Plate Meters. Das Ger├Ąt misst die H├Âhe des Aufwuchses auf der Weide und kann daraus die tats├Ąchliche Fl├Ąchenleistung berechnen. So werden unn├Âtige Futterverluste minimiert. Das Rising Plate Meter wurde zwar f├╝r die Beurteilung von homogenen Gr├╝nlandfl├Ąchen entwickelt, es ist jedoch auch auf heterogenen oder gar extensiven Fl├Ąchen von gro├čem Nutzen. Das Ger├Ąt hilft, das Gr├╝nland im Blick zu behalten und schnell zu reagieren, wenn es n├Âtig ist.

8. Einmal t├Ąglich melken?

In Einzelf├Ąllen kann auch das Umstellen des Melkrhythmus von zweimal t├Ąglichem Melken auf einmal t├Ągliches Melken eine Option sein, zum Beispiel bei niedriger Milchleistung oder sehr hoher Arbeitsbelastung. Auf einem der Betriebe wurde deshalb ermittelt, in welchem Ma├če sich die Leistungen bei einmaligem und zweimaligem Melken voneinander unterscheiden.

Wirtschaftlich stellte sich das einmal t├Ągliche Melken als sehr grenzwertig dar: Bereits in der ersten Laktationsh├Ąlfte musste der Betrieb 20 Prozent Milcheinbu├čen hinnehmen. In der zweiten Laktationsh├Ąlfte war eine Leistungsminderung von 35 Prozent zu verzeichnen (zum Teil durch eine Trockenheitsperiode im Sommer begr├╝ndet). Der Vorteil des einmaligen Melkens lag vor allem in der Steigerung der Lebensqualit├Ąt. Weil das abendliche Melken entfiel, konnten andere Arbeiten flexibler gestaltet werden und es war wieder m├Âglich, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben des Dorfes teilzunehmen.

Nachhaltigkeitsbewertung

Landwirtschaftliche Betriebe k├Ânnen nur dann dauerhaft existieren, wenn sie wettbewerbsf├Ąhig sind. Dar├╝ber hinaus ist es f├╝r den Erhalt der Betriebe entscheidend, ob sich Landwirte auf ihrem Hof wohl f├╝hlen, ob sie ihren Beruf gerne aus├╝ben und ob sich ihre Kinder vorstellen k├Ânnen, diesen Betrieb einmal zu ├╝bernehmen.

Eine Betriebszweigauswertung, in die die Ergebnisse von 15 Projektbetrieben einflossen, zeigt, dass eine ├Âkonomisch, ├Âkologisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft in benachteiligten Gebieten durchaus m├Âglich erscheint. Ausschlaggebend hierf├╝r ist jedoch, dass der gr├Â├čte Teil des bewirtschafteten Gr├╝nlands ausreichend produktiv ist und f├╝r die Milchproduktion und/oder Rindermast genutzt werden kann. Innovative Produktionsverfahren und der fachliche Austausch mit Berufskollegen oder anderen Experten k├Ânnen dabei helfen, L├Âsungsans├Ątze zu finden, die die Nutzung von Gr├╝nland auf ung├╝nstig liegenden Standorten wirtschaftlich interessanter machen.

In der Operationellen Gruppe "Nachhaltige Gr├╝nlandnutzung" profitierten vor allem diejenigen Betriebe von den Ma├čnahmen zur Produktivit├Ątsoptimierung, die sich innerhalb der Projektkulisse auf den besseren Standorten befanden. F├╝r die ganz schwierigen Lagen konnten nur sehr wenige Ans├Ątze zu einer Verbesserung der betriebswirtschaftlichen, arbeitswirtschaftlichen und sozialen Situation gefunden werden. ├ľkologisch wirtschaftende Betriebe erzielten aufgrund staatlicher Zuwendungen (F├Ârdermittel) bessere Betriebsergebnisse als konventionell wirtschaftende Betriebe.