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Betrieb

Risikomanagement in der Landwirtschaft: Welche M├Âglichkeiten gibt es?

Risikomanagement in der Landwirtschaft: Welche M├Âglichkeiten gibt es?

Die Risiken in der Landwirtschaft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt: Extreme Wetterereignisse wie D├╝rre, Sturm oder Dauerregen treten ÔÇô bedingt durch den Klimawandel ÔÇô immer h├Ąufiger auf und verursachen erhebliche Ertrags- und Qualit├Ątsverluste. Au├čerdem hat die zunehmende Liberalisierung der EU-Agrarpolitik und die daraus resultierende st├Ąrkere Marktorientierung die Betriebe vor neue Herausforderungen gestellt. So sehen viele Landwirte das gr├Â├čte Risiko heute vor allem im Verfall der Agrarpreise, wie aus einer aktuellen Studie der Uni G├Âttingen hervorgeht.

Wie k├Ânnen sich landwirtschaftliche Betriebe besser auf diese (neuen) Risiken einstellen? ├ťber diese Frage diskutieren Vertreter aus Praxis, Wissenschaft und Politik bereits seit einigen Jahren. Prinzipiell sind sich alle einig, dass der Umgang mit produktions- und marktbedingten Risiken in erster Linie Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs ist. Daf├╝r stehen vielf├Ąltige inner- und au├čerbetriebliche Instrumente und Ma├čnahmen zur Verf├╝gung. Neben den betrieblichen Instrumenten und Ma├čnahmen werden aber auch verschiedene Modelle staatlicher Unterst├╝tzung diskutiert.

Risikomanagement auf betrieblicher Ebene

Die landwirtschaftliche Produktion anpassen

Landwirtschaftliche Betriebe m├╝ssen ihre Produktionssysteme in Zukunft besser auf die sich ├Ąndernden Klimabedingungen einstellen. Dazu z├Ąhlt zum Beispiel der Einsatz von Sorten, die an die ver├Ąnderten Bedingungen wie Trockenheit, verl├Ąngerte Vegetationsperiode oder Hitze besser angepasst sind. Oder neue Kulturarten, die hierzulande bislang noch kaum angebaut werden: So k├Ânnte Mais beispielsweise durch die wesentlich trockentolerantere Sorghum-Hirse als Futterpflanze oder Rohstoffpflanze ersetzt werden. Auch w├Ąrmeliebende Kulturen wie Sojabohne oder Hirse werden zuk├╝nftig wahrscheinlich h├Ąufiger auf den ├äckern zu finden sein und m├╝ssen z├╝chterisch entsprechend an die hiesigen Bedingungen angepasst werden.

Die Z├╝chtung wird auch gefragt sein, wenn es darum geht, Sorten zu entwickeln, die widerstandsf├Ąhiger gegen Krankheiten und Sch├Ądlinge sind. Denn es steht zu bef├╝rchten, dass sich Pilze, Viren und Schadinsekten, bedingt durch die milderen Winter, verst├Ąrkt ausbreiten. Auch eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der Wasserhaltef├Ąhigkeit des Bodens kann zu einer Risikominimierung beitragen. Diesbez├╝glich kommt dem Zwischenfruchtbau und der konservierenden Bodenbearbeitung eine gro├če Bedeutung zu.

Risiko streuen

Die starke Spezialisierung in der Landwirtschaft hat dazu gef├╝hrt, dass die Betriebe immer krisenanf├Ąlliger f├╝r Preis- oder Ertragsschwankungen geworden sind. Dies kann verhindert werden, in dem st├Ąrker diversifiziert wird. Denn Ertragsschwankungen oder Preiseinbr├╝che treten in den seltensten F├Ąllen in allen Produktionsbereichen gleichzeitig auf. Betriebe mit mehreren Standbeinen k├Ânnen das Risiko somit intern besser ausgleichen.

Mit Diversifizierung ist nicht allein die Erweiterung der Fruchtfolge gemeint. Diversifizierung bedeutet auch, in die Weiterverarbeitung von Produkten oder die Direktvermarktung einzusteigen, Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten, oder Energie durch Photovoltaik oder Biogas zu erzeugen.

Investition in neue Technik

Auch Investition in neue technische Anlagen k├Ânnen das Risiko mindern. Zum Beispiel macht die Anschaffung einer effizienten Bew├Ąsserungstechnik ├╝berall dort Sinn, wo zuk├╝nftig mit einer Zunahme an trockenen Tagen zu rechnen ist. Einige solcher Investitionen werden ├╝ber staatliche Programme gef├Ârdert. Diese Programme gehen entweder auf den Europ├Ąischen Landwirtschaftsfonds f├╝r die Entwicklung des l├Ąndlichen Raums (ELER) oder auf die Gemeinsame Marktorganisation f├╝r landwirtschaftliche Erzeugnisse (GMO) zur├╝ck. Ein zentrales Element der einzelbetrieblichen F├Ârderung ist das Agrarinvestitionsf├Ârderprogramm.

R├╝cklagen bilden

In "guten" Jahren R├╝cklagen bilden, um "schlechte" Jahre besser ├╝berbr├╝cken zu k├Ânnen. R├╝cklagen m├╝ssen dabei nicht immer Geld bedeuten. Auch das Einlagern von Getreide oder Futterreserven z├Ąhlt unter die R├╝cklagenbildung. Dieses Instrument der betrieblichen Risikovorsorge ist sehr beliebt unter Landwirtinnen und Landwirten. In einer Studie der Universit├Ąt G├Âttingen gaben 66 Prozent der befragten Landwirte an, Getreidelager als Instrument des Risikomanagements zu nutzen und 54 Prozent von ihnen legen finanzielle Reserven an.

Versicherungen

Versicherungen sind ein bew├Ąhrtes Instrument zur Absicherung bestimmter Risiken. So ist die Hagelversicherung bei vielen Betrieben inzwischen fast ├╝bliche Praxis: 72 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfl├Ąche in Deutschland ist gegen Hagel versichert. Versicherungen gegen Sturm, Starkregen oder Frost sind dagegen weitaus seltener. Seitdem der Versicherungssteuersatz 2013 herabgesetzt wurde, nimmt jedoch auch die Zahl solcher Policen zu, meist in Form von Mehrgefahrenversicherungen.

Gegen D├╝rre ist dagegen bislang kaum ein Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland versichert. Und das, obwohl D├╝rre das mit Abstand gr├Â├čte Ertragsrisiko in Deutschland darstellt. Das Problem ist: Es gibt nur sehr wenige Angebote f├╝r Versicherungen gegen D├╝rre, und die sind sehr teuer. ├ähnlich sieht es f├╝r Versicherungen gegen Hochwasser und ├ťberschwemmungen aus. Auch hier ist das Angebot sehr d├╝nn und die Beitr├Ąge entsprechend hoch. F├╝r einige Risiken und Kulturen gibt es nicht einmal Versicherungen: So k├Ânnen zum Beispiel Obstbauern ihre Kulturen ÔÇô mit Ausnahme der Erdbeeren ÔÇô nicht gegen Sp├Ątfrost versichern.

Etwas anders sieht es da f├╝r tierhaltende Betriebe aus. Neben der staatlich gew├Ąhrten Entsch├Ądigung, die die Tierseuchenkasse f├╝r Tierverluste zahlt, k├Ânnen sich Tierhalter ├╝ber sogenannte Ertragsschadenversicherungen zus├Ątzlich privat absichern. Diese Zusatzversicherungen decken auch Folgesch├Ąden ab, die sich zum Beispiel aus der Einrichtung von Sperrbezirken oder Beobachtungsgebieten und einem damit verbundenen Vermarktungsverbot ergeben.

Vertragliche Bindung

Vertragliche Bindungen zwischen dem Landwirtschaftsbetrieb und vor- bzw. nachgelagerten Unternehmen sind bei Landwirtinnen und Landwirten ein beliebtes Mittel der Risikovorsorge. Wie die Studie der Universit├Ąt G├Âttingen ergab, nutzen 69 Prozent der befragten Betriebe dieses Instrument zur Risikovorsorge. Vorherrschend sind hier einmalige oder langfristige Liefervertr├Ąge f├╝r einzelne Produkte oder Produktgruppen. Aber auch eine vertikale Integration ├╝ber mehrere Stufen der Wertsch├Âpfungskette ist m├Âglich.

Vertragliche Bindungen bieten eine l├Ąngerfristige Planungssicherheit hinsichtlich Menge, Qualit├Ąt und/oder Preis ÔÇô und zwar f├╝r alle Vertragspartner. L├Ąngerfristige Bindung sind h├Ąufig auch Voraussetzung f├╝r die Erschlie├čung bestimmter M├Ąrkte, zum Beispiel f├╝r gewisse Qualit├Ąts- bzw. Regionalprogramme.

Preisabsicherung ├╝ber Warenterminb├Ârsen

Der Handel ├╝ber Warenterminb├Ârsen bietet die M├Âglichkeit, Risiken durch Preisschwankungen abzusichern. Bei Warenterminb├Ârsen handelt es sich um streng organisierte Marktveranstaltungen, auf denen Lieferverpflichtungen f├╝r bestimmte Waren zu bestimmten zuk├╝nftigen Terminen in Form von Kontrakten gehandelt werden. Die gehandelten Waren werden t├Ąglich aufgrund neuer Marktinformationen (z.B. Regenf├Ąlle, Trockenheit) f├╝r zuk├╝nftige Liefermonate neu bewertet. Dadurch, dass die Kontraktpreise auf einer breiten Informations- und Meinungsbasis beruhen und die Marktteilnehmer f├╝r ihre Preiserwartungen finanziell einstehen, spiegeln diese Preise relativ zuverl├Ąssig die Gleichgewichtspreise des betreffenden Marktes in Gegenwart und in naher Zukunft wider. Die vorherige Absicherung eines Preises im Zuge eines Warentermingesch├Ąfts sch├╝tzt die Marktteilnehmer damit vor ung├╝nstigen Preisentwicklungen.

In der Regel erfolgt die Absicherung an der Warenterminb├Âse durch die H├Ąndler. Es gibt aber auch einige Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Erzeugnisse direkt ├╝ber einen Broker an der Warenterminb├Ârse absichern.

Staatliche Hilfen f├╝r die Risikoabsicherung

Alle Landwirtschaftsbetriebe erhalten von der Europ├Ąischen Union Direktzahlungen f├╝r die Einkommens- und Risikoabsicherung, sowie als Ausgleich f├╝r Umwelt-, Tier und Verbraucherschutzstandards. Ihr Anteil am Einkommen je Arbeitskraft bel├Ąuft sich auf 37 Prozent. Trotz dieser Direktzahlungen musste der Staat jedoch in den vergangenen Jahren regelm├Ą├čig zus├Ątzliche Sonderbeihilfen in mehrstelliger Millionenh├Âhe bereitstellen, um einen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe bei gr├Â├čeren Witterungs- und Marktkrisen vor dem Aus zu bewahren.

Damit solche Zahlungen k├╝nftig nicht mehr ÔÇô oder zumindest nicht mehr in dieser H├Âhe ÔÇô n├Âtig werden, fordern einige Vertreter der Agrarbranche vom Staat, die betriebliche Risikovorsorge der Landwirtinnen und Landwirte durch steuerliche Anreize zu unterst├╝tzen. Diskutiert werden dabei verschiedene Modelle.

Gewinngl├Ąttung

2016 hat die Bundesregierung die sogenannte mehrj├Ąhrige Gewinngl├Ąttungsregelung beschlossen. Danach soll die Einkommensteuer in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben nicht auf der Grundlage des aktuellen Steuerjahrs bemessen, sondern ein gegl├Ątteter dreij├Ąhriger Durchschnittsgewinn herangezogen werden. Das soll bewirken, dass die Steuerzahlung gleichm├Ą├čiger ausf├Ąllt und somit Steuern gespart werden k├Ânnen. Das Problem ist: Die Finanz├Ąmter d├╝rfen die Gewinngl├Ąttungsregelung bislang nicht anwenden, da die EU dieser Regelung noch nicht abschlie├čend zugestimmt hat. Der Fiskus berechnet die Steuer daher noch vorl├Ąufig, ohne den Gewinn zu gl├Ątten ÔÇô allerdings unter Vorbehalt der Nachpr├╝fung.

Die Verb├Ąnde der Landwirtschaft sehen die Gewinngl├Ąttung als einen ersten wichtigen Schritt, bewerten diese Ma├čnahme letztlich aber als nicht ausreichend. Der Grund: Die Gewinngl├Ąttung sei nicht rechtsformneutral und relativ b├╝rokratisch. Au├čerdem sei sie mit festen drei Jahreszeitr├Ąumen und einer Befristung bis 2022 in der Wirkung eingeengt.

Untersuchung des Bayerischen Obersten Rechnungshofs zufolge, bringt die Ma├čnahme auch nicht den gew├╝nschten Effekt. Die Beh├Ârde hat an 2.575 landwirtschaftlichen Steuerf├Ąllen untersucht, wie sich eine Gewinngl├Ąttung auswirken w├╝rde. Die Pr├╝fer kamen zu dem Ergebnis, dass die Regelung nur einen geringen Einfluss auf die Steuerbelastung der landwirtschaftlichen Betriebe h├Ątte.

Steuerfreie Risikoausgleichsr├╝cklage

Mehrere Verb├Ąnde aus Landwirtschaft und Gartenbau, sowie einige Politikerinnen und Politiker fordern die steuerfreie Risikoausgleichsr├╝cklage. Sie soll es den Betrieben erm├Âglichen, in guten Zeiten R├╝cklagen zu bilden, auf die der Staat keine Steuern erhebt. In Krisenjahren k├Ânnen die Betriebe diese R├╝cklagen dann aufl├Âsen, um Ertragsausf├Ąlle, zum Beispiel durch D├╝rre oder Preisverfall, auszugleichen.

Im September 2018 forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, die gesetzlichen Voraussetzungen f├╝r eine solche Risikoausgleichsr├╝cklage zu schaffen. Die Bundesregierung spricht sich bislang jedoch gegen diese steuerverg├╝nstigte R├╝cklagenbildung aus. Sie beruft sich dabei auf Einsch├Ątzungen von Wissenschaftlern der Universit├Ąt Hohenheim und des Th├╝nen-Institut, die behaupten, dass eine solche R├╝cklage nicht den erw├╝nschten Entlastungseffekt bei markt- und witterungsbedingten Einkommensschwankungen h├Ątte.

Reduzierung der Versicherungssteuer

Obwohl seit 2013 f├╝r Versicherungen gegen Sch├Ąden durch Frost, Starkregen oder ├ťberschwemmung sowie f├╝r Hagelversicherungen ein Steuersatz von 0,3 Promille auf die Versicherungssumme gilt, werden D├╝rreversicherungen nach wie vor mit 19 Prozent besteuert. Vertreter der Agrarbranche fordern daher eine entsprechende Erm├Ą├čigung der Versicherungssteuer f├╝r das Risiko Trockenheit. Dies w├╝rde f├╝r die Betriebe den Anreiz erh├Âhen, einen Abschluss der ohnehin teuren D├╝rreversicherungen ├╝berhaut in Betracht zu ziehen.

Eine Mehrheit der Branchenvertreter spricht sich allerdings gegen eine generelle staatliche F├Ârderung von Versicherungen in der Landwirtschaft aus, wie dies in einigen EU-Nachbarl├Ąndern seit einigen Jahren der Fall ist. Eine Ausnahme sollte hier allerdings f├╝r den Bereich Sonderkulturen gelten: Denn dort sei das Versicherungsangebot aufgrund des begrenzten Fl├Ąchenumfanges geringer als im Ackerbau. Au├čerdem h├Ątten die Direktzahlungen bei den Sonderkulturen aufgrund ihrer hohen Wertsch├Âpfung je Hektar nicht die gleiche Bedeutung wie im Ackerbau.

Weitere Informationen

Seiten-Titel: Wie kann die Landwirtschaft vorsorgen?

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Welche Ma├čnahmen k├Ânnten landwirtschaftlichen Betrieben helfen, die Folgen und Risiken des Klimawandels wirksam zu begrenzen?

Seiten-Titel: Wie das Klima die Landwirtschaft ver├Ąndert

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Der Klimawandel wird zuk├╝nftig nicht nur zu erh├Âhten Temperaturen f├╝hren. Auch die H├Ąufigkeit von Extremwetterereignissen wird steigen ÔÇô mit zum Teil erheblichen Auswirkungen auf die Landwirtschaft.